Mai 312012
 

Herzlich willkommen zur jugendfreien Variante von Stirb Langsam! Natürlich ist in der Hauptrolle kein glatzköpfiger und schuhloser Bruce Willis, sondern sein dicker, von Hyperglykämie gepeinigter kleiner Bruder Kevin James (Brüder im Geiste, die sind nicht verwandt oder verschwägert, soweit ich weiß). Und noch nie habe ich mir in einer Komödie sehnlicher gewünscht, dass die Hauptfigur mal endlich so langsam stirbt. Dabei ist die Prämisse gar nicht mal so unbedingt schlecht.

…Alternativer Artikelanfang: Herzlich willkommen zum Segway-Werbefilm #1. Mit Ihrem Segway kommen sie nicht nur durch ihre Einkaufshalle in beeindruckendem Tempo, nein, Sie können damit auch böse Buben das Fürchten lehren. Hören Sie auf, Ihre verdammten Füße zu benutzen, kaufen Sie sich eines, nein lieber gleich zwei von diesen geilen Teilen zum Super-Sonderpreis von lediglich 8000 €  pro Stück. Und wenn Ihr Esel leider kein Gold kackt oder Sie sich nicht mal einen Esel leisten können, dann kriechen Sie doch mit dem dreckigen Pöbel auf dem Boden rum, Sie Arsch! Und nun, weiterhin viel Vergnügen mit der Filmrezension…

Paul Blart (Kevin James) ist ein übergewichtiger Vater einer pubertierenden Tochter, der von seiner Frau verlassen wurde. Zudem arbeitet er in einem Einkaufszentrum in New Jersey als Sicherheitsmann, verzeihung, Sicherheitsbeamter (Insider…). Er ist tollpatschig, schüchtern und eigentlich ein Trottel. Weil er die Aufnahmeprüfung zur Polizei nicht schafft, nimmt er seinen Job selber ziemlich ernst. Eines Tages überfällt eine Bande von Skateboardern und Akrobaten die Mall und will an die Kreditkartennummern von den Leuten, oder so. Inklusive Geiselnahme und Paul Blart als Einzelkämpfer gegen alle.

Frage #1: Wer um alles in der Welt überfällt ein beschissenes Einkaufszentrum? Auch wenn dann am Ende gesagt wird, dass da 30 Millionen Dollar zu holen sind, ist der gesamte Plan ziemlich bescheuert. Nicht minder beknackt sind auch die Gangster, die zwar mit Waffen rumlaufen, aber weder sonderlich bedrohlich noch intelligent wirken.

Frage #2: Warum muss Paul Blart nur so ein dummes Arschloch sein? Im Grunde ist er ein tollpatschiger Stalker, der genausogut auch Fahrkarten kontrollieren könnte.  Ganze 35 Minuten (von insgesamt 90 Minuten Laufzeit) nimmt sich der Film Zeit, uns diesen Vollidioten vorzustellen, bevor die Action losgeht. Und irgendwie soll das Mitgefühl erzeugen, mit dem eigentlich doch ganz netten Typen, der schon so viel Pech hatte. Ehrlicherweise war da nicht mehr drin als Fremdschämen. Er ist weder in seinem Job gut nocht verhält er sich sonderlich nett. Kevin James war als Doug Heffernan in King of Queens unheimlich sympathisch. Dort war er auch nur Paketlieferant, aber er nahm seinen Job nicht so furchtbar ernst. Hier haben wir aber Paul Blart, der einem Opa im Elektroroller einen Strafzettel geben will, weil der zu schnell im Kaufhaus rumgefahren ist.

Das meiste, was der Film an Komik zu bieten hat, sind Szenen, in denen Paul gegen Türen rennt und dabei wegkugelt. Voll der Slapstick. Und weil das einmal einfach noch nicht lustig genug ist, widerfährt ihm dieser Schwachsinn fünf bis sechs mal. Aus irgendeinem mir nicht erfindlichen Grund wird auch noch ein indischer Hacker-Kerl eingebaut, der ihm später im Film ein wenig hilft. Haha, ein Inder mit indischem Akzenten. Voll lustig. Am Ende gibt es noch total den krassen Twist, der einem aber ziemlich egal ist. Weil einfach alles total bemüht und auch nicht wirklich unterhaltsam ist. Und dann gibt es da noch diese lächerlichen Musikeinspieler. Die könnten auch völlig okay sein. Aber in der finalen Szene z. Bsp. werden gleich zwei Songs hintereinander unter das Geschehen gelegt, was dem Film einen völlig diletantischen Touch gibt. Vermutlich kann das einem auch egal sein, aber Paul Blart sowie der Rest aller Figuren war mir zu dem Zeitpunkt einfach schon so unglaublich auf den Sack gegangen.

Wenig verwunderlich ist, dass Adam Sandler den Dreck mitprodzuziert hat. Von Regisseur Steve Carr stammen außerdem solche Klassiker wie ‘Sind wir endlich fertig?’, ‘Der Kindergarten Daddy’ (eine von Eddie Murphys miesesten Rollen) und ‘Dr. Dolittle 2′. Für Kinder könnte Der Kaufhaus Cop vielleicht und unter Umständen noch was taugen, der Rest macht bitte einen großen Bogen drum. Mit Hot Fuzz und Shaun of the Dead gibt es viel bessere Komödien (mit Nick Frost als lustigem dicken Typen) da draußen und über allen thront sowieso immer noch Leslie Nielsen in ‘Die Nackte Kanone’. Obwohl ich Kevin James mag, ist eigentlich alles von ihm nach King of Queens nicht mehr gut. Schade. Na wenigstens konnte er ein paar Runden auf seinem Segway drehen. Fazit: Stirb langsam, Paul Blart. Langsam und qualvoll.

Regie: Steve Carr (Sind wir schon da?, Dr. Dolittle 2, Der Kindergarten Daddy)

Schauspieler: Kevin James, Jayma Mays

Bewertung: 

Mai 302012
 

Die Dark Star ist ein Raumschiff, welches durch das Weltall tingelt, um instabile Planeten in die Luft zu jagen. Seit 20 Jahren ist die Crew nun schon unterwegs und dabei völlig heruntergekommen. Genauso wie ihr Gefährt, welches allmählich den Geist aufgibt, sich jedoch öfter mal mit einer eintönigen weiblichen Stimme meldet. So kann die Besatzung nicht mehr in ihren Schlafkojen nächtigen, weil der entsprechende Abschnitt zerstört ist. Toilettenpapier gibt es auch keines mehr. Die vier Männer gehen ihrem monotonen Tagesablauf nach und steuern hin und wieder irgendwelche Planeten und Sterne an. Die Sprengung erfolgt mit Hilfe von intelligenten Atombomben, die eine eigene Persönlichkeit besitzen. Kürzlich ist bei einem Defekt der Kapitän umgekommen, was die allgemeine Stimmung weiter verschlechtert.

Dark Star ist ein ziemlich alter Film von John Carpenter. 1974 mit lediglich 60 000$ Budget gedreht gilt er vielen als Klassiker des Sci-Fi-Genres. So ist das der erste Film, in dem das Wort ‘Alien’ benutzt wird, was im Deutschen jedoch mit ‘Exot’ übersetzt wurde. Besagter Außerirdischer ist eigentlich nur ein bemalter Gymnastikball mit zwei Händen dran. Auch die Außenaufnahmen sehen unheimlich billig aus. Da wirken die Einspieler von ‘Unter Traumschiff’ aus der Bullyparade nicht unrealistischer. Die Raumanzüge sehen aus, wie umgebaute Styropor-Staubsauger. Doch gerade dieses Billige macht auch einen Teil des Charmes aus, zumal die vier Protagonisten allesamt bärtig und ungepflegt aussehen und so, wie eigentlich kaum sonst in Weltraumfilmen, nicht steril und rausgeputzt wirken.

Komik entsteht zum großen Teil durch die Unterhaltungen. So wird beispielsweise deutlich, dass einer der Männer gar kein ausgebildeter Astronaut ist, sondern eher zufällig über eine Verwechslung an Bord geraten ist. In erster Linie erlangte Dark Star Berühmtheit für die philosphische Grundlagendiskussion einer der Männer mit einer Atombombe. Auch das Ende ist, sofern man das sagen kann, ziemlich eigen und sehr stimmig.

Dark Star wird als Persiflage Carpenters auf ‘2001: Odyssee im Weltraum’ von Stanley Kubrick gesehen. Dabei erreicht er natürlich nicht die Tiefe und die große Anerkennung, die Kubrick erfuhr. Dafür ist Dark Star mit 83 Minuten Laufzeit zu kurz und zu beschränkt auf den kleinen Raum der Kapsel. Nichtsdestotrotz muss ich eingestehen, dass mich die Geschichte interessiert und auch berührt hat. Es sind im Grunde 4 arme Schweine, die in der großen Apparatur der Menschheit einen Drecksjob machen, dessen Ergebnisse sie nicht mehr erleben werden. So wird der in unserer Gesellschaft hochgeschätzte Beruf des Astronauten heruntergebrochen und seiner Illusion von Ruhm und Komfort beraubt. Das ist erschreckend und faszinierend zugleich. Denkt heute irgendwer in Zusammenhang mit der Mondlandung daran, wie Neil, Buzz und Michael ihr Geschäft verrichtet haben? Und nicht nur das: Die Besatzung der Dark Star hat sogar ein Alien entdeckt, doch das interessiert keinen. Die Entfernungen im Weltraum sind überwunden und weiteres intelligentes Leben gefunden, doch mit der Zeit verkommt selbst die größte Erfahrung zur Routine. Eigentlich ist das ziemlich deprimierend.

An Dark Star scheiden sich, wie bei vielen Filmen von John Carpenter, die Geister. Man findet im Internet viel Lob und auch Kritik. Es stellt sich wohl so dar, dass jemand, der den Film bereits in den 70ern kannte, deutlich mehr mit ihm verbindet, auch weil es damals, in den Jahren vor Star Wars, kaum bzw. wenig Science-Fiction gab. Die jüngeren Generationen kommen mit der Tricktechnik nicht zurecht. Die Bildqualität ist eigentlich auch eine Zumutung. Das ist aber alles zu verkraften. Wenn man sich ein wenig auf die Stimmung einlässt, kann man wohl auch heute noch was aus diesem Film mitnehmen. Mein Ersteindruck war auch ehrlich gesagt erst negativer. Doch in der Reflexion erscheint mir vieles sympathischer. In erster Linie auch durch das Wissen, mit welchen beschränkten finanziellen Mitteln Carpenter hier gearbeitet hat. Oder alleine der Fakt, dass er hierfür auch die Musik komponiert hat. Oder dass Dan O’Bannon, der eines der Besatzungsmitglieder spielt und mit am Drehbuch schrieb, 5 Jahre später am Drehbuch für ‘Alien’ beteiligt war.

Dark Star ist kein allzu bekannter Film. Einfach weil 6 Jahre zuvor ‘2001’ kam und ein paar Jahre danach ‘Star Wars’ und ‘Alien’. Doch trotz allem ist das eine kleine Filmperle, die fernab des Mainstream durchaus viele Fans vorweisen kann. Wen die Bild- und Effektqualität nicht verschreckt und wer auf Kriegsfuß mit Hollywoods monotonen Sci-Fi-Auswürfen steht (z. Bsp. Event Horizon), darf einen Blick riskieren. Man bedenke zudem, dass es sich lohnt, den Film ein bis zwei Tage sacken zu lassen, bevor man sich eine finale Meinung bildet. Definitiv ist Dark Star besser als John Carpenters Ghosts of Mars aus dem Jahre 2001. Und dazwischen liegen immerhin 27 Jahre und 18 Filme.

Regie: John Carpenter (Big Trouble in Little China, Halloween, Das Ding aus einer anderen Welt, Jagd auf einen Unsichtbaren)

Schauspieler: Brian Narelle, Cal Kuniholm, Dre Pahich, Dan O’Bannon

Bewertung: 

Mai 292012
 

Ein krimineller Immobilien-Hai mit seinem Assistenen, ein reicher russischer Investor, eine geldgeile Buchhalterin und ihr schwuler Scheinehemann, eine Bande von drei Kleinkriminellen, der cracksüchtige Sohn des Immobilien-Hais, der früher Rockstar war, seine beiden ehemaligen Manager, zwei russische Söldner und ein Gemälde. Richtig, es handelt sich um einen Film von Guy Ritchie!

Archy (Mark Strong) ist der Assistent von Lenny (Tom Wilkinson), welcher die Immobilien Londons fest in seiner Hand hat. Aus Archys Sicht erleben wir, wie der reiche Russe Uri (Karel Roden) über Lenny in der britischen Hauptstadt bauen will. Uris Buchhalterin Stella (Thandie Newton) soll dafür Geld am Fiskus vorbei in Lennys Taschen schmuggeln. Diese möchte jedoch auch was vom Kuchen abhaben, weswegen sie die Kleinganoven One Two (Gerard Butler) und Mumbles (Irdis Elba) beauftragt, das Geld zu entwenden. Währenddessen steht One Twos bester Kumpel Bob (Tom Hardy) kurz vor seinem fünfjährigen Haftantritt. Außerdem hat Uri sein Lieblingsgemälde Lenny zur Aufbewährung gegeben, da es dem bevorstehenden Deal Glück bringen soll. Dieses wird jedoch von Lennys Stiefsohn Johnny Quid (Toby Kebbell) entwendet. Johnny ist ehemals Rockstar gewesen und hat, um seiner Cracksucht nachzugehen, seinen eigenen Tod vorgetäuscht. So beauftragt Archy, die beiden ehemaligen Manager von Johnny, Roman (Jeremy Piven) und Mickey (Ludacris), diesen mitsamt dem Gemälde zu finden.

Puh, erstmal durchatmen. Wie bei fast allen Filmen von Guy Ritchie (mit Ausnahme der Sherlock Holmes-Verfilmungen) hat er auch das Drehbuch geschrieben, welches reichlich komplex ausfällt. Das liegt vor allem an der großen Anzahl der Protagonisten, die teilweise in lose aneinandergereihten Szenen miteinander interagieren. Und genau wie bei Snatch, Bube Dame König grAs und Revolver spielt sich die Geschichte in der Londoner Unterwelt ab. Dabei gibt es keinen richtigen Hauptcharakter. Wir hören zwar Archy als Erzähler, ein Übergewicht an Screen-Time hat er jedoch nicht. Beeindruckend ist die Verflechtung aller Personen miteinander, die im Grunde logisch ist, jedoch auch ein Maß an Konzentration abverlangt. Ein flüchtiges Nebenherschauen, während man gerade eine SMS schreibt oder Facebook checkt, ist nicht ratsam und wird im fortgeschrittenen Verlauf zu reichlich Orientierungslosigkeit führen. Auch weil man sich nicht nur an Gerard Butler orientieren kann, um alles zu verstehen. So begegnet dieser zum Beispiel niemals dem russischen Investor Uri, beklaut ihn jedoch und beide verbringen relativ viel Zeit mit Stella.

Wer am Ball bleibt, erlebt ein ziemlich stimulierendes Filmerlebnis mit bösen Buben, die so cool wie skurril sind. Der RocknRolla selbst ist ein Junkie, der ständig monologisierend über das Leben schwadroniert. Hierin liegt meiner Meinung nach der Punkt, warum der Film nicht so gut wie Ritchies Vorgängerfilme aufgenommen wurde. Johnny Quid erschien mir als lustiger und zum Ende hin auch überraschender Charakter, der einem aber auch durchaus auf die Nerven gehen kann. Das muss man dann für sich selbst entscheiden.

Überhaupt ist die Riege an Schauspielern überragend. Ich mag Mark Strong, weil er mit seiner Art den stereotypen aalglatten Gangster verkörpert. Tom Wilkinson ist der perfekte böse alte Mann. Und Gerard Butler ist halt eben Gerard Butler – ein einfacher Typ, ob hier oder in 300. Natürlich ist RocknRolla kein Film, der besondere schauspielerische Leistung erfordert. Es ist vielmehr das englische Gangster-Flair, das alles beisammen hält und die auf Guy Ritchie-Art zusammengeschnittene Handlung, in der unversehens eingestreute Rückblenden gerne mal Komik erzeugen.

So ist RocknRolla einer meiner Lieblingsfilme. Einfach nur, weil ich vom Anfang bis zum Ende Spaß habe. Vor allem wegen der Atmosphäre und den ganzen Leuten, die trotz ihrer großen Zahl nie wirklich den Rahmen des Verstehens sprengen und weil durch die vielen Szenenwechsel ein hohes Tempo gegangen wird. Es gibt keinen Leerlauf, obwohl Action rar gesät ist und es viele Dialoge gibt. Das Ende knüpft viele lose Fäden dann nochmal zusammen und lässt ein anfangs irgendwie unwichtiges Plotdetail plötzlich zum zentralen Element aller Personen werden. Dann stellt sich das befriedigende Gefühl ein, für die Aufmerksamkeit, die man dem Film entgegengebracht hat, belohnt worden zu sein. Doch dafür muss man eben zwei Stunden seiner Zeit opfern und sich von jeglicher Ablenkung loslösen. So versteht sich eben auch, dass jemand, der eher desinteressiert an diesen Streifen geht, am Ende völlig überfordert oder orientierungslos im Wald voll von Nebenhandlungen steht. Wer also sowieso gerne Filme schaut oder Guy Ritchie mag, dürfte eine gute Zeit haben, auch wenn Snatch mehr Absurditäten und mehr Humor bietet.

RocknRolla ist übrigens als Trilogie angelegt und laut Guy Ritchie gibt es wohl bereits ein Skript für Teil 2. Hoffen wir alle das Beste. Zumindest wären Fortsetzungen hiervon allemal besser als der nächste Teil einer gewissen Vampirsaga…

Regie: Guy Ritchie (Snatch, Bube Dame König grAs, Revolver, Sherlock Holmes I + II)

Schauspieler: Gerard Butler, Mark Strong, Tom Wilkinson, Thandie Newton, Idris Elba, Tom Hardy, Ludacris, Karel Roden

Bewertung: 

Mai 282012
 

Was passiert, wenn man Iron Man das Geld und die Fähigkeit zu fliegen wegnimmt? Er sucht sich einen Job bei der Detroiter Polizei und ballert nun mit seinem riesigen Colt auf böse Buben. So ähnlich könnte man RoboCop umschreiben, nur hat er mehr Tiefe zu bieten als Tony Stark. Und mehr Brutalität. Sehr viel mehr Brutalität.

Im Detroit der nahen Zukunft wird die Polizei von der Firma OCP kontrolliert, die im Grunde auch über die gesamte Stadt herrscht. Um effektiver Kriminelle zu bekämpfen, wird das RoboCop-Programm gestartet. So hätte die Firma die vollständige Kontrolle über die Exekutive, ohne über Gehälter oder Ähnliches nachdenken zu müssen. Als der Polizist Alex Murphy (Peter Weller) bei einem Einsatz gegen den Gangsterboss Clarance Boddicker (Kurtwood Smith) auf brutalste Art und Weise ermordet wird, verwandelt ihn die OCP kurzerhand in RoboCop, eine Mischung aus Mensch und Maschine, die für Ordnung auf den Straßen der Stadt sorgt. Doch obwohl Murphys Erinnerungen gelöscht zu sein scheinen, beginnt er sich, an seine Familie als auch an seine Mörder zu erinnern.

Meine Güte, dieser Film ist weder etwas für Zartbesaitete noch für Kinder, denn er ist unheimlich brutal. Das gilt in erster Linie für die Szene, in der Murphy erschossen wird. Doch im Gegensatz zu Splatter-Schwachsinn à la Saw oder Hostel begründet Regisseur Paul Verhoeven das viele Blut mit einer erhöhten emotionalen Bindung zu dem Charakter, den man zu diesem Zeitpunkt einfach noch nicht allzu gut kennt und mit dem man dadurch auch nicht so mitfühlen würde, wenn es ihn nicht so grausam dahinraffen würde. Und damit hat er absolut Recht! Es stellt sich automatisch Sympathie ein und Entsetzen über die Skrupellosigkeit der Bösen.

Überhaupt ist die entworfene Zukunft sehr zynisch und zeigt, was passiert, wenn reiche Firmen die Kontrolle über die Exekutive und die Medien übernehmen. Das geht bereits damit los, dass häufiger über eine Nachrichtensendung die aktuellen Geschehnisse vermittelt werden und dabei mit abosluter Ruhe und Gemütlichkeit über den Tod von 113 Menschen durch ein fehlgeschlagenes Waffenexperiment berichtet wird. Die “Strategic Defence Peace Platform” ist eben nicht gerade hilfreich für den Frieden. Menschenleben scheinen sowieso nicht allzu hoch im Kurs zu stehen. Niemand fragt Murphy, ob er einverstanden ist mit der Umwandlung. Die OCP macht einfach alles, ohne Rücksicht auf Verluste und ohne jegliche Einschränkung. Auch wenn die Handlung nicht unbedingt im Vordergrund steht, empfinde ich das Plot durchgängig als stimmig und durchdacht. Vor allem weil auch die Frage gestellt wird, wie viel ein Mensch wert ist und wo die Grenze zum Golem ist. Dabei wird gezeigt, dass Profitgier, egal zu welcher Zeit, zur Entmenschlichung der Gesellschaft führt.

Die Special Effects wirken natürlich sehr altertümlich. So wird ein Kampfroboter die ganze Zeit in Stop-Motion dargestellt und erinnert so an die alten Sindbad-Filme. Das ist aber nun mal der damaligen Zeit geschuldet und muss nicht unbedingt stören. Ein wenig lustig ist es trotzdem. Die Explosionen wirken dagegen schon realitischer. Außerdem zolle ich Peter Weller großen Respekt, denn die Drehbedingungen waren alles andere als einfach (hier nachzulesen). Nicht nur musste er 15 kg Material bei einer großen Hitzewelle tragen und dadurch mehrere Liter Wasserverlust täglich hinnehmen, sondern die erste Anprobe dauerte auch ganze 11 Stunden. Wenn RoboCop dann mal seine Maske abnimmt, sieht das schon sehr befremdlich und entmenschlicht aus. Sowieso bewegt er sich wie eine Maschine, was rein darstellerisch relativ aufwändig war. Der Film erhielt darüberhinaus 1988 einen Oscar für den Soundeffektschnitt.

RoboCop ist bzw. war ein niedrig-budgetierter Überraschungserfolg. Es ist im Grunde auch eine Satire, nur mit ordentlich Blut und Mord. Die Nachfolger waren dann alle ziemlich seelenlos und ich kann mich noch an die Zeichentrickserie für Kinder erinnern, die eigentlich so gar nicht zum Thema passt. Als ob man eine kinderfreundliche Version von Hostel produzieren würde…  2013 soll es (natürlich) ein Remake geben, ähnlich wie bei Total Recall, der auch von Paul Verhoeven ist. Die beiden Filme sind sich auch ein wenig ähnlich. Wer mit dem ganzen Setting etwas anfangen kann und Matrix oder Equilibrium mochte, keine Angst vor einer abgetrennten Hand hat und sich auch nicht an altertümlicher Technik stört, wird sicherlich sehr gut unterhalten werden.

Regie: Paul Verhoeven

Schauspieler: Peter Weller, Kurtwood Smith, Ronny Cox

Bewertung: 

Mai 282012
 

Das Weltall. Unendliche Weiten. Irgendwo mittendrin: eine Horde von entwickelten Affen, die auf einem gigantischen Raumschiff aus Stein mit 107 000 km pro Stunde durch den Kosmos reisen. Einer von ihnen dreht schlechte Filme über Spiele und ähnliches und schimpft sich Paul W. S. Anderson. Bekannt dürfte er vor allem für seine Resident Evil-Verfilmungen sein, deren Rezensionen auch auf dieser Seite zu finden sind (1, 2, 3 & 4 für Such-Faule) und für seine Gemahlin Milla Jovovich. Halt! Warum spielt die hier nicht mit? Ganz einfach, 1997 war die gute Frau noch mit Luc Besson verheiratet (und war so auch beim 5. Element dabei). Und jetzt ohne Umschweife ab ins Weltall!

Im Jahre 2047 muss die Mannschaft der ‘Lewis & Clark’ das gestrandete Raumschiff ‘Event Horizon’ in der Nähe des Neptuns untersuchen. Captain Miller (Laurence Fishburne) mit seiner Crew sowie Dr. William Weir (Sam Neill) stoßen dabei auf niemanden, beginnen jedoch, allesamt zu haluzinieren und durchzudrehen. Wichtig ist dabei auch der neuartige Antrieb der Event Horizon, der über Gravitations-Blablablas ein schwarzes Loch erzeugt, um den Raum und die Zeit zu krümmen und so mit Überlichtgeschwindigkeit im Weltall rumzuschippern. Da ist aber eben irgendwas schief gegangen und die Ex-Crew hat das nicht ganz so gut vertragen. Ich warne schon mal vor: Die Auflösung am Ende ist durchaus mit einem großen “WHAT THE FUCK” zu umschreiben.

Der 90-minütige Mix aus Sci-Fi, Horror und Mystery beginnt noch ganz nett. Unbekanntes Raumschiff, ein paar Leute untersuchen es, trennen sich auf, einem passiert was und dann entspinnt sich ein wenig Spannung aus gelegentlichen Schockmomenten. Das kennt man (Alien, Sunshine, Das Ding aus einer anderen Welt), das mag der eine oder andere noch. Hin und wieder stirbt mal jemand, doch das ist egal, weil es keinen Helden gibt. Die acht Leute sind allesamt nicht allzu ‘deep’, zumal Sam Neill überraschend farb- und lustlos wirkt. Besonders eine Szene, in der ihm seine Frau erscheint, die zuvor Suizid begangen hat, wirkt total merkwürdig und fernab jeglicher Schauspielerei. Matrix-Freunde freuen sich jedoch über Laurence Fishburne, der in seiner Rolle scheinbar schon mal für den Morpheus zwei Jahre später trainiert hat. Und so ist es tatsächlich Fishy, der den Film noch halbwegs erträglich macht, obwohl seine Figur auch nicht sonderlich viel zu erzählen weiß.

Die Effekte und dergleichen gehen in Ordnung. Jedoch wirkt eine Szene, in der einer aus der Mannschaft in den Weltraum geschleudert wird und versucht, wieder zurückzugelangen, doch arg animiert. Für 1997 ist das aber wohl nichts, was man unbedingt ankreiden müsste. Das Design des Gravitations-Dingstas ist aber tatsächlich gelungen und wirkt cool. Dann wird Event Horizon jedoch zusehends mehr zum Mystery-Film und das tut der ganzen Angelegenheit überhaupt nicht gut. Hier ließ sich Paule wohl von ‘Doom’ inspirieren. Und am Ende fragt man sich, was das alles sollte. Es gibt dann noch Elemente aus dem Splatter-Film (Hallo Saw!) und das Standard-Ende für Filme dieser Machart.

Event Horizon ist für mich der typische Paul W. S. Anderson-Film: Ein seelenloser Abklatsch von irgendwas, was einst mal vielleicht eine nette Idee war. ‘Sunshine’ von Danny Boyle mit Cillian Murphy ist relativ ähnlich, aber ungemein besser. ‘Alien’ von Ridley Scott hat 18 Jahre vor dem Ereignishorizont bereits einen Standard für Sci-Fi-Horror gesetzt, dem Paul W. S. Anderson nichts entgegenzubringen hat. Und sogar ein ‘Lost in Space’ ist zumindest meiner Meinung nach deutlich besser oder unterhaltsamer. Wer jetzt noch Lust auf Event Horizon hat, dem sei vor allem bei den letzten 10 Minuten viel Spaß gewünscht. Ich stürze mich derweil lieber in das nächste schwarze Loch.

Regie: Paul W. S. Anderson (Resident Evil 1 + 4, Death Race, Alien vs. Predator)

Schauspieler: Sam Neill, Laurence Fishburne, Joely Richardson

Bewertung: 

Mai 262012
 

Im dritten Teil der Saga um die sonnenbebrillten Anzugträger wird es ein wenig abstruser: Der Gefängnisinsasse Boris bricht aus seiner Isolationshaft (mit Hilfe von Nicole Scherzinger) aus und will Rache an Agent K (Tommy Lee Jones) nehmen, der vor 40 Jahren Boris den Arm abschoss und ihn festnahm. Dazu reist er in die Vergangenheit und bringt den jungen Agent K (Josh Brolin) um. Nun ist es an J (Will Smith), Boris durch die Zeit zu folgen und alles wieder ins Lot zu bringen, bevor eine Alieninvasion die Menschheit vernichtet. Außerdem gibts den Spaß in der dritten Dimension!

Men in Black 3 ist mit 103 Minuten Laufzeit nicht viel länger als seine beiden Vorgänger und damit erfreulich kurz. So gibt es in der Handlung keine Längen und man hangelt sich relativ schnell von Ort zu Ort. Dabei ist das Konzept aller drei Filme ziemlich ähnlich: J und K verfolgen einen Alien-Oberbösewicht und folgen manchmal nicht wirklich sinnvollen Indizien. Neu ist halt eben nur, dass K die meiste Zeit jünger als sonst ist. Zudem gibt es hier und da Anspielungen auf Außerirdische, die sich mehr oder weniger erfolgreich in unsere Gesellschaft integriert haben, zum Beispiel Lady Gaga. So richtig sinnvoll ist die ganze Geschichte ohnehin meiner Meinung nach nicht, aber das steht auch nicht im Vordergrund.

Die Filme leben von der Coolness, die die Agenten dem Umgang mit oft gefährlichen Situationen und Wesen entgegenbringen und von Js großer Klappe. Und davon gibt es auch hier wieder mehr als genug. Erwähnt sei eine Szene, in der J gegen einen autogroßen Fisch kämpft und mit größter Ruhe, bevor ihm das Vieh den Unterkörper abbeißt, ein Metall-Tablet aus einem Restaurant zwischen die Zähne steckt, während er selbst doch noch halb in dem Fisch drin ist. Lobenswert finde ich zudem, dass bis auf einen Kurzeinsatz die Wurmlinge sowie der Mops Frank keine Rolle spielen. So verzichtet man auf die repititive Komik der Aliens, die schon zur Genüge in den beiden Vorgängern auftauchten. Der Jar Jar Binks-Effekt bleibt aus.

Die Effekte und die Action gehen absolut in Ordnung, wobei das Design der Außerirdischen im Grunde schon immer sehr gut und kreativ war. Lediglich Boris ist kein wirklich mächtiger Bösewicht, denn außer Stacheln zu verschießen kann er nichts. Das ist der größte Schwachpunkt des Films. Mit ein wenig mehr Screen-Time hätte er vielleicht bedrohlicher gewirkt, so ist er jedoch einfach nur ein grantiger Motorradfahrer mit Sonnenbrille. Die Schabe aus dem ersten Men in Black beispielsweise war einfach nur durch den Ekelfaktor und ihre Größe abstoßend. Boris hat das alles nicht zu bieten.

Schade finde ich auch, dass nicht mehr mit der Zeitreise als Element der Absurdität gearbeitet wurde. Es gibt nur eine Szene im Film, in der das verbaut ist. Jedoch muss ich eingestehen, dass mit mehr Zeitreisen der Film auch enorm an Leichtigkeit verloren und zu viel Balast aufgenommen hätte. Nichtsdestotrotz wird die Beziehung zwischen J und K im Film vertieft und erklärt, was einem die beiden Vorgängerfilme auch noch einmal schmackhaft macht. Josh Brolin als junger Tommy Lee Jones ist wirklich gut und überzeugend und Will Smith tut eben das, was er am besten kann: dummschwätzen.

Ein Kritikpunkt ist das völlig sinnlose 3D-Feature, das außer einem erhöhten Ticketpreis keine nennenswerten Auswirkungen hat.  Es gibt wirklich nur eine Szene im Film, in der es ganz nett wirkt und ansonsten bleibt die dritte Dimension ungemein nutzlos. Das ist dann schon irgendwie Abzocke und man muss selbst entscheiden, ob einem die Men in Black um die 12 € wert sind. Wenn nicht, kann man ja immer noch einfach auf die DVD warten.

Am Ende muss ich zugeben, dass ich wirklich gut unterhalten wurde und mir die Geschichten um J und K auch noch 15 Jahre nach dem ersten Teil viel Spaß bereiten. Wer die Vorgänger mochte, wird mit Teil 3 nicht unglücklich. Die MiB sind eben sommerliches Popcorn-Kino für Jung und Alt.

Regie: Barry Sonnenfeld (Men in Black I + II, Wild Wild West, Die Addams Family, Schnappt Shorty)

Schauspieler: Will Smith, Josh Brolin, Tommy Lee Jones, Emma Thompson

Bewertung: 

Mai 252012
 

Die Menschheit auf dem Mars. Immer eine gute Idee. Oder etwa nicht? Mir persönlich fallen zwei gute Filme ein, undzwar Total Recall und Watchmen. Tja, und dann gibt es die nicht ganz so guten Vertreter. Da wären Der Onkel vom Mars, Mission to Mars, Red Planet, Mars Attacks, Doom und der zuletzt im Kino gescheiterte John Carter, der sich gerade zum größten Filmflop der letzten Jahre mausert. Steht damit John Carpenter’s Ghosts of Mars unter einem schlechten Stern? Oder können etwa der Transporter und XXX II. (“Tripple X, der Zweite”) das Marsgenre retten und dem Roten Planeten einen Platz in unseren Herzen sichern? Außerdem genießt Regie-Legende John Carpenter doch Kultstatus unter so manchen Filmfreunden!

Wir schreiben das Jahr 2176. Der Mars ist kolonisiert und verstreut leben Menschen darauf. Lieutenant Melanie Ballard (Natasha Henstridge) soll mit ein paar anderen (u. a. Jason Statham) den Schwerverbrecher Desolation Williams (Ice Cube) in seiner Zelle abholen, um ihn vor ein Gericht zu schaffen, weil er (*hust, hust* angeblich *hust*) mehrere Morde verübt hat. Jedoch stimmt etwas nicht mit der sonst so lebhaften Minenstadt, denn die Bewohner neigen merkwürdigerweise dazu, tot und mit abgetrennten Köpfen von der Decke zu baumeln. Außerdem rennen große Teile der Ex-Bevölkerung als sich selbst verstümmelnde Vollhonks rum und wollen unserer bunten Reisetruppe ans Leder. So kämpft man sich dann irgendwie dann zum Zug durch, um das Städtelein zu verlassen während die Hauptprotagonistin auch noch auf Drogen ist und so richtig Sinn ergibt das alles dann auch schon lange nicht mehr.

SPOILER: Bei Minenarbeiten wurden die Geister einer einstigen Zivilisation freigeschaufelt, die von den Menschen Besitz ergreifen und diese zu mordenden Zombies machen. Bei Tod entsteigt der Geist und sucht sich weitere Opfer. Zudem wird die Handlung quasi im Rückblick durch unsere Heldin erzählt, wobei es am Ende eine Art Cliffhanger gibt, welcher den Film den Mount Everest der Lächerlichkeit erklimmen lässt.

Die Darsteller sind alle richtig mies. Die Handlung ist unglaublich blöd. Die Action ist lächerlich und ziemlich schwach. Die lustigen Stellen sind überhaupt nicht lustig. Einfach alles wirkt total billig. Es gibt wirklich nichts Gutes an diesem Film. Reihenweise sterben Leute, ohne dass auch nur irgendeiner der Protagonisten sich darum schert. Dadurch verkommt das alles zu einem merkwürdigen Klamauk in einem surrealen Setting mit Sci-Fi-Elementen, der einen irgendwie an Resident Evil erinnert, nur in (noch) schlechter. Und wer nennt seinen pseudo-coolen Helden bitteschön Desolation Williams? Nicht nur, dass Ice Cubes grimmiges Gesicht und sein Schauspieltalent die Kirsche auf dem Misthaufen darstellen, nein, sein Rollenname soll noch der Wink mit dem Zaunpfahl auf einen unglaublich tiefgründigen Charakter sein. Man stelle sich vor, der Hulk hieße “Aggressionsbewältigungs-Peter”.

Das Einprägsamste an Ghosts of Mars ist für mich die Hose von Ice Cube. Diese sieht aus, als ob er sie direkt dem Prinzen von Bel-Air aus den 90ern geklaut hätte. Nur dass Will Smith in seiner Rolle damals viel besser war als es Ice Cube je sein könnte. Und so bleibt der Mars filmtechnisch ein schwieriges Pflaster. Wie wärs mal stattdessen mit einem Abstecher zum Mond (Moon, Apollo 13, Iron Sky)? Vergesst den Mars, der ist doof.

Regie: John Carpenter

Schauspieler: Natasha Henstridge, Ice Cube, Jason Statham

Bewertung: