Mrz 232012
 

Aushilfsgangster ist einer dieser Filme, wo man sich fragt, warum der Originaltitel eingedeutscht wurde. ‘Tower Heist’ klingt ja nun nicht so unbedingt schlecht und man kann dem deutschen Kinogänger doch eigentlich zutrauen, das zu verstehen. Bei Inception hat es doch auch geklappt bzw. klänge “Anfang” auch nicht so wirklich beeindruckend. Dass das Eingedeutsche von fremdländischen Filmen gerne mal in die Hose geht, beweisen zahlreiche Filme vor Aushilfsgangster, allen voran der Fluch der Karibik. Im Original “Pirates of the Caribbean: The Curse of the Black Pearl” für den ersten Teil, wurde die Namensgebung für Teil 2 schon ziemlich abstrus. Wo im Englischen noch “Pirates of the Caribbean: Dead Man’s Chest” zu lesen war, schauten wir in Deutschland “Pirates of the Caribbean – Fluch der Karibik 2″, um dann im dritten Teil wieder auf die Zahl und ‘Fluch der Karibik’ zu verzichten: “Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt” (Original: Pirates of the Caribbean: At World’s End). Zum ersten mal Kontinuität haben wir jetzt, da der vierte Part “Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten” heißt. Warum erzähle (äh schreibe) ich das ganze? Ach ja, Tower Heist. Oder Aushilfsgangster? Warum benennt man sowas um? Ganz einfach, nämlich dann, wenn der Film selbst nicht genug Charakter hat, um mit Originaltitel hierzulande zu bestehen.

In Aushilfsgangster steht Josh Kovacs (Ben Stiller) im Vordergrund, der selber aus ärmlichen Verhältnissen kommt, dabei jedoch Manager der teuersten Immobilie der Welt ist. Das klingt ehrlich gesagt nicht so wirklich logisch, aber man kann damit leben. Der Tower ist ein Wolkenkratzer im Herzen von New York, in dem reiche Leute leben. Ganz oben wohnt der stinkreiche Finanzjongleur Arthur Shaw (Alan Alda). Dieser verwaltet auch den Pensions-Fonds aller Mitarbeiter des Towers. Leider veruntreut er das gesamte Geld und die ganzen Leute stehen ohne Absicherung oder Ersparnisse dar. Das macht Josh wütend und so fasst er den Entschluss, zusammen mit Charlie (Casey Affleck), Mr. Fitzhugh (Matthew Broderick) und dem abgehalfterten Kleinkriminellen Slide (Eddie Murphy) den vor Gericht immunen Shaw zu beklauen. So entwickelt sich der Film zu einem Heist-Movie im Stile eines Ocean’s Eleven, nur eben mit einer Bande von Vollpfosten anstatt cooler Ganoven wie George Clooney und Brad Pitt.

Interessanterweise fand ich die ersten zwanzig Minuten sehr unterhaltsam. Da geht es noch nicht um irgendeinen Raubüberfall, sondern vielmehr um das Leben der kleinen Menschen im Schatten der stinkreichen Bewohner des Towers. Wir sehen, wie Ben Stiller Leuten die Türen aufhält und sein Leben der Befriedigung fremder Bedürfnisse widmet. Und hier dachte ich noch, dass womöglich eine sozialkritische Komponente den Film umgibt, ein humoristischer Kommentar auf die gesamte Occupy Wall Street-Bewegung. Doch diese Hoffnung verflüchtigt sich schnell, denn dann greifen die typischen Elemente von Raubüberfall-Filmen. Erst wird die Mannschaft gesammelt, dann wird geplant, dann wird durchgeführt und natürlich läuft nicht alles nach Plan.

So verspielt Aushilfsgangster jegliche Tiefgründigkeit, die man ihm anfangs noch versuchte, zu unterstellen. Problematisch ist dann, dass der Raubüberfall einfach vollkommen blöd ist. Es gibt keine coolen Abläufe, die ein Ocean’s Eleven bietet oder harte Schießereien wie bei Heat. Die Beteiligten wissen einfach nicht so recht, was sie da machen und so scheint das ganze Handeln nach völlig zufälligen Mustern abzulaufen, die keinen Sinn ergeben. Hier sticht eben das unheimlich schwache Drehbuch hervor, das keinen einzigen Protagonisten sympathisch erscheinen lässt. Besonders Slide, verkörpert von Eddie Murphy, ist völlig unlogisch und ein peinlich-klischeebehafteter Typ. Das liegt nicht etwa daran, dass Eddie Murphy ihn schlecht spielt. Es sind eher die ganzen Dialoge und Interaktionen, die einfach nur dumm sind.

Am Ende versucht dann Aushilfsgangster, einen cleveren Twist anzubringen, den man ihm jedoch einfach nicht mehr abkauft. Außerdem wird es unlogisch. Ich würde jetzt den Film spoilen, wenn ich allzu viel davon reden würde, aber soviel sei gesagt: Niemand notiert seine illegalen Geschäfte haargenau in einem Notizbuch, um dieses Büchlein dann bei sich zu Hause rumliegen zu lassen. Außer ganz blöde Menschen vielleicht. Und blöde Filme eben. Und so hinterlässt Tower Heist einen schlechten Nachgeschmack bei mir. Das ist schade. Ich mag nämlich Ben Still und Matthew Broderick, und auch Eddie Murphy, obwohl der eigentlich schon alle seine Kredits verspielt hat (Kindergarten Daddy, I Spy, Dr. Dolittle, Norbit, Die Geistervilla sind allesamt natürliche Abführmittel fürs Auge). Doch die lustigsten Leute können einen Film nicht retten, der nicht wirklich viel Sinn ergbit und am Ende seiner 104 Mintuten Laufzeit eher seelenlos bleibt. Aushilfsgangster ist genau wie sein Drehbuch: sehr, sehr schwach. Bessere Bankräuberfilme gibt es unzählige, bessere Komödien auch. Lustige Heist-Filme existieren mit der Ocean’s-Trilogie sowie den älteren Guy Ritchie-Streifen auch. Damit steht Tower Heist auf verlorenem Posten. Niemand wird sich daran noch in 10 Jahren erinnern.

Regie: Brett Ratner (Rush Hour I, II, III, Money Talks, X-Men 3, Roter Drache)

Schauspieler: Ben Stiller, Casey Affleck, Matthew Broderick, Eddie Murphy

Bewertung:  


Mrz 232012
 

Es gab mal eine Zeit, da dachte ich, ich würde mich in der deutschen Hip-Hop-Szene auskennen. So vor 10 Jahren vielleicht. Nicht, dass ich deutschen Hip-Hop exzessiv gehört hätte, aber der tägliche Konsum von MTV und der Sendung TRL machte mich quasi zu einem Insider der Szene. Heute ist mir eigentlich alles egal, zumal MTV vor Jahren seinen Bildungsauftrag aufgegeben hat und nicht mal mehr für mich Normalsterblichen empfangbar ist. Da kommt jetzt dieser Fler daher, mit seiner Autobiographie und bringt ein wenig Licht ins Dunkel.

Bürgerlich heißt er Patrick Losensky und schildert uns in “Im Bus ganz hinten” sein Leben, von den jüngsten Kindheitstagen bis heute (2010 oder 11). Dabei kann man das Buch in zwei Abschnitte gliedern: Die erste Hälfte ist die Zeit vor dem Rappen, die zweite Hälfte dann mit dem Rappen. Wir erleben mit, wie der junge Patrick in schwierigen Verhältnissen aufwächst. Sein Vater ist Alkoholiker und seine Mutter scheint ihn nie richtig zu lieben. Als sich seine Eltern trennnen, hat er Schwierigkeiten, damit umzugehen. Dabei bleibt sein Leben stets schwierig, zumal er über seine als “Ghetto” bezeichnete Wohngegend an allerlei zwielichtige Gesalten gerät. Prägnant werden Patricks psychische Zerwürfnisse geschildert, die ihm sogar einen Aufenthalt in der Psychiatrie bescheren. Irgendwann landet er beim Besprayen von S-Bahnen und schließlich gerät er mit Hip-Hop in Kontakt, hauptsächlich dank seiner Freunde. So beginnt dann irgendwann seine Karriere, die wiederum Probleme mit sich bringt.

Die erste Hälfte, in der Fler noch nicht von seinem krassen Fame erzählt, ist dabei um einiges interessanter als dann die oft sehr protzigen Schilderungen weiter hinten. Die Kindheitserinnerungen wirken authentisch und man entwickelt Mitleid mit ihm. Dass seine Sicht der Dinge eigentlich immer sehr einseitig ist, fällt erst einmal noch nicht auf. Auf mich wirkt er sogar symapthisch, was eben im Mitgefühl begründet liegt. Seine Erlebnisse schildert er mit der naiven und einfachen Art eines Kindes und dabei erlebt Fler eben Sachen, die ein Kind nicht erleben sollte, allen voran der Nervenzusammenbruch.

Dann kommt der zweite Teil, indem er bei Aggro Berlin unterkommt und, zugegebenermaßen mit Erfolg, rappt. Dass Fler eigentlich nie so richtig selber die Motivation hatte, mit der Musik anzufangen und eher eine Art Anhängsel am Anfang war, kommt überhaupt nicht rüber. Eher gesagt, es kommt rüber, aber er selbst scheint es nicht zu realisieren. Noch nerviger für mich ist dann seine zunehmend arrogante Art. Es gibt Stellen, in denen Fler über seine sexuellen Eskapaden schwadroniert und dabei so machohaft und oberflächlich rüberkommt, dass ich jegliche Sympathie für den armen Patrick Losensky verloren habe. Und vor allem wird das Buch dann immer einseitiger, denn er macht einfach nie einen Fehler. Es sind immer die anderen, die böse sind oder sich gegen ihn verschwören. So gibt es dann nur wenige Leute, die nicht in irgendeiner Weise negativ auffallen.

An einer Stelle beschreibt Fler eine Szene, in der er im MTV-Studio ausgerastet ist und es sich so anhört, als ob er das ganze Inventar zerlegt hätte. Dass er dabei eigentlich nur ein wenig an einem Bushido-Poster rumgerissen hat, verstärkt den Eindruck, dass er nur “posen” will und sich in die Rolle des harten Gangsters begibt. Andererseits gibt es auch in der zweiten Hälfte noch relativ persönliche Momente sowie den einen oder anderen Einblick in die Hip-Hop-Szene des letzten Jahrzehnts. Allzu tiefgründig wird es jedoch nie und so bleibt das Buch auf einem eher seichten Niveau. Mir gefiel der kleine Einblick in das Sprayer-Milieu von Berlin, welches mit Fotos von besprühten S-Bahnen Flers Vergangenheit belegt.

Überraschenderweise fühlte ich mich meistens gut unterhalten. Ich weiß nicht, ob alle Rapper ständig den Harten markieren müssen. Das tut Fler leider hier und da etwas zu oft, was den anfänglichen guten Eindruck stört und “Im Bus ganz hinten” zu einem Buch macht, was ich nur ok fand. Wer sich ein wenig für die Thematik interessiert oder eine gewisse Verbundenheit zu den Szenen, in denen sich Patrick bewegt, verspührt, darf dieser Biografie gerne eine Chance geben. Sie bietet auf alle Fälle mehr Tiefe, als das Werk der Katzenberger und weckt Emotionen, auch wenn man noch nie ein Lied von Fler gehört hat.

Bewertung:  

Mrz 182012
 

Vor ungefähr 15 Jahren, also so Ende der 90er, da kamen auf Pro 7 am Wochenende zur Mittagszeit immer Monsterfilme, meistens mit Godzilla in der Hauptrolle.  Das war noch eine coole Zeit, denn es gab viele krasse Viecher, die es zu bekämpfen galt (Mothra, Gamera, King Kong, Machagodzilla, etc…. hier ist eine lang Liste). Auch wenn die Animationen und Effekte mehr oder weniger ähnlich denen der Power Rangers entsprachen und die Synchronisierung nicht so richtig synchron wirkte, so war doch die Riesenechse ein nicht wegzudenkender Teil meiner Jugend. Daraus folgt auch meine sehr kritische Einstellung gegenüber anderen großen Tierchen, allen voran King Kong, dessen Sieg über Godzilla in King-Kong vs. Godzilla fernab jeder Realität ist und unter normalen Bedingungen natürlich anders ausgegangen wäre. Wer die Filme gar nicht kennt, bekommt hier ein wenig was vom Flair von damals mit.

Nachdem jedoch Godzilla 1998 einmal von Hollywood (bzw. Roland Emmerich) verwurstet wurde, spielten Monster eigentlich keine wirkliche Rolle mehr. So richtig erschreckend waren sie halt nicht mehr, und so kamen mit den ganzen Horror- und Alien- (und inzwischen Splatter-) filmen “packendere” Erlebnisse auf die Leinwand. Außerdem wurden die modernen japanischen Godzilla-Filme immer esoterischer, kreisten dabei teilweise um solche unmonströsen Dinge wie Naturschutz und andere ökologische Themen. Die Frage ist jetzt natürlich, ob denn Cloverfield ein klassischer Monster-Streifen ist?

Hier erleben wir aus der Sicht einer Handkamera im Stile eines Found-Footage-Horrorfilms à la Blair Witch Project die Geschehnisse um einen Angriff auf New York. Eine Gruppe von Freunden und Bekannten bekommt auf einer Party mit, wie ein wolkenkratzergroßes Wesen anfängt, die Stadt in Schutt und Asche zu legen und nebenbei noch kleinere Viecher das Militär angreifen. Zusammen wollen sie sich nun zu einer Freundin durchschlagen, die irgendwo in einem zerstörten Gebäude feststeckt.

Besonders auffällig ist erst einmal der Kamera führende Kerl namens Hud (T. J. Miller), der eine ziemliche Flachpfeife ist. Ständig labert er dummes Zeug und ist so hilfreich für die Gruppe wie ein Kropf. In einem dunklen Tunnel baggert er die eine Frau an und faselt danach irgendetwas vollkommen Merkwürdiges von angezündeten Obdachlosen. Wahrscheinlich soll das seine Panik und Aufgewühltheit zur Schau stellen, mir ging der Typ jedoch vollkommen auf die Nerven. Der Rest der Truppe ist in Ordnung, wobei sowas wie eine tiefe Verbundenheit zu einem der Helden nie eintritt. Das soll aber auch nicht Ziel des Films sein. Uns werden die ganzen Leute am Anfang auf einer Party ein wenig näher gebracht mit allen ihren kleinen Problemchen und ohne jemanden in den absoluten Vordergrund zu rücken.

Vielmehr ist die Kamera der wahre Hauptdarsteller von Cloverfield (‘Kleefeld’). Wir sind im Grunde bei jeder Bewegung dabei und wissen zu jedem Zeitpunkt so viel wie die einzelnen Protagonisten. Dadurch gestaltet sich der Verlauf unvorhersehbar und es gibt keine Längen, denn in den 85 Minuten wird halt eben immer das Wichtigste von Hud aufgenommen. Am Anfang stellt sich beispielsweise ein ziemlich beklemmendes Gefühl ein, als eine riesige Rauchwolke durch New York zieht und man sich ein wenig an 9/11 erinnert fühlt. Wir sehen die Bedrohung auch nie so richtig eingängig und in Ruhe, dadurch bleibt das Monster mysteriös und das Verhalten aller panisch. Man bleibt schließlich nicht stehen, sondern rennt um sein Leben. Hin und wieder wird das Filmband von alten Aufnahmen aus noch schöneren Zeiten unterbrochen und stellt so einen harten Kontrast zu der entsetzlichen Lage der Gegenwart dar. Die Thematik, dass man für die Liebe bis an seine Grenzen geht und den Tod dafür in Kauf nimmt, fließt stark ein und bildet die Motivation.

Es steht somit nicht wie bei Godzilla das Monster im Scheinwerferlicht, sondern die ganz normalen Leute, die sich nicht im Stich lassen. Dadurch erscheint Cloverfield in dem Rahmen, in dem es spielt, realistisch. Das Militär kämpft zwar hier und da, doch ein strahlender Held taucht nicht auf, der das Vieh in den Arsch tritt und den Tag rettet. Es gibt nur die Flucht vor der bösen Kreatur, deren Ursprung im Dunklen bleibt. Zudem gibt es durch die Kameraperspektive keine neutrale, alleswissende Sicht auf die Dinge. Wir können, wie die Protagonisten, nur spekulieren. Das ist etwas, was man sonst nicht sieht. Bei Godzilla wird stets gesagt, dass es sich um einen mutierten Leguan handelt, der irgendwo aus dem Meer auftaucht und Japan plattmacht, bevor er auf irgendeine Art und Weise doch geschlagen werden kann.

Jetzt will ich Cloverfield nun aber auch nicht zu viel Tiefe unterstellen, im Endeffekt bleibt er ein guter Monsterfilm, der wirklich gut unterhält. So richtig fies bei den Eiern gepackt wie damals mit Blair Witch Project wurde ich nicht, doch ist er bei den ganzen Found-Footage-Filmen definitiv ganz oben mit dabei. Blair Witch Project ist selbst nicht so wirklich gut, aber es war eben das erste Filmerlebsnis dieser Art und dazu dann auch noch so unglaubich verstörend zum Ende hin. Vielleicht kommt übrigens noch Cloverfield 2 und 2014 ein neuer Godzilla. Lang leben die Monster.

Regie: Matt Reeves (Let Me In, schrieb Alarmstufe Rot 2 (Steven Seagal!!!))

Schauspieler: Michael Stahl-David, Jessica Lucas, T. J. Miller

Bewertung:  

 

Mrz 142012
 

In tausenden und abertausenden von Jahren, wenn es die Menschheit schon lange nicht mehr gibt, wird eine andere Spezies (Aliens oder durch evolutionäre Entwicklung die Marder) unsere Überreste unter dem Staub der Zeit hervorhieven und sich ein Bild von uns machen. Vermutlich lagern dann im Untergrund unzählige Festplatten voll mit Pornographie, die vom besorgten männlichen Teil der Menschheit gebackupped wurden, da irgendwann mal das Internet down war. Sicher ist bzw. war ja bekanntlich sicher. Außerdem werden die futuristischen Archäologen alte Nokia-Handys finden, die allen Kriegen und Katastrophen getrotzt haben und vermutlich unzählige Exemplare von Daniela Katzenbergers Autobiographie ‘Sei schlau, stell dich dumm’. Denn das Teil verkauft sich gerade unglaublich gut und steht schon seit Wochen ziemlich weit oben in den Charts. Richtig einheitliche Rankings gibt es jedoch scheinbar nicht, vermutlich weil entsprechende Statistik-Unternehmen nicht auf ihre Einnahmen verzichten wollen.

Wenn ich ganz ehrlich bin, dann ist mir Daniela Katzenberger ziemlich egal. Man sieht sie hier und da im Fernsehen von heute. Soll heißen, Reality-TV, die beste Art von TV! Oder zumindest bald die einzige wie es scheint. Dass sie blond ist, große Brüste hat und sich mal die Augenbrauen hat auftätowieren lassen, was nicht ganz so die coole Aktion war, wusste ich auch. Dank ihres Buches weiß ich jetzt noch folgende Dinge:

  • Daniela Katzenberger besitzt 2 x 350g Silikon-Einlagen.
  • Sie nennt sich gerne Katze.
  • Eigentlich sind ihre Haare nur gefärbt.
  • Die gute Frau stammt aus der Nähe der Heimat von Helmut Kohl.
  • Daniela Katzenberger hat keine Türen in der Wohnung.

Die Liste ist endlos fortsetzbar. Wir erfahren intimste Details und Vorlieben und den einen oder anderen Rückblick in die Kindheit der Blondine. Am Ende gibt es noch ein Quiz, in dem wir unser Katzenberger-Fachwissen prüfen können (und in dem ich mit krassen 20/24 Punkten abgeschnitten habe). Auch eine Postkarte war dabei und die Eindrücke ihrer Film-Crew. Ganz ehrlich, wäre ich Fan von der Frau, wäre das wohl ein total tolles Buch. Vermutlich haben all diese Leute dieses Werk sowieso schon in ihrem Regal stehen, können aufhören hier weiterzulesen und sich erfreulicheren Dingen widmen.

Das ganze Buch ist komplett in rosa gehalten und auf jeder Seite steht immer noch ein Zitat von Daniela Katzenberger. Davon gibt es jedoch nur knapp über 20, womit die sich dann auf den 200 Seiten schnell wiederholen. Das macht wiederum keinen sehr durchdachten Eindruck und einen wahnsinnig, wenn sich das ganze immer wieder wiederholt. Genauso ist der Titel des Buches doch ziemlich fragwürdig, aber den Leuten scheint es zu gefallen. Wer sich für alle Facetten des Lebens von Daniela Katzenberger interessiert, hat mit ‘Sei schlau, stell dich dumm’ den Heiligen Gral in der Hand. Da steht einfach alles drin, was man wissen will und auch vermutlich das, was man nicht wissen will.

Ich bin kein Fan von Daniela Katzenberger. Darum war das Lesen von ‘Sei schlau, stell dich dumm’ mehr oder weniger sehr anstrengend. Es ist, als ob man mit jeder noch so nebensächlichen Kleinigkeit totgequatscht wird. Normalerweise lese ich ein mich interessierendes Buch ziemlich schnell, aber mehr als zwei oder drei Seiten hintereinander zu lesen war mir einfach nicht möglich. Zu schnell schweifte ich mit den Gedanken ab und zu blöd war der Inhalt. Es ist mir einfach unbegreiflich, wie man die Katze als Vorbild nehmen kann. Mit ihrem Stolz auf ihren Silikon-Busen und ihrer Künstlichkeit verkörpert sie total bescheuerte bzw. überhaupt keine Ideale. Es ist schön, dass sie zu sich selbst steht, aber will man seine eigene Tochter über Schönheits-OPs reden hören? Im Buch ist so wenig Selbst-Reflexion, dass es schon traurig ist. Da wird ihre ganze Ansammlung von Schminke und Lippenstift beschrieben während der Gedanke, in irgendeiner Form natürlich zu sich selbst zu stehen, gerade in der Ecke verreckt. Getoppt wird das dann nur von der Tatsache, dass sie von sich selbst gerne in der dritten Person als ‘Katze’ schwadroniert.

Daniela Katzenberger zeigt somit meiner Meinung nach das typische Bild der oberflächlichen Tussi unserer Moderne. Darum polarisiert sie, die einen finden sie dumm, die anderen super. Dass sie einigermaßen erfolgreich in ihrer Art ist, mag die eine oder den anderen freuen, dabei bleibt sie jedoch austauschbar und charakterlos. Es kann doch einfach kein sinnvolles Ziel für einen Menschen sein, irgendwann einmal im Leben im Playboy zu landen! Das ist das kleine Mädchen, das irgendwann mal im Rampenlicht stehen will. Was danach kommt, wenn der in der TV-Branche schnell vergängliche Ruhm mal verflogen ist, bleibt nebensächlich. Ja, sie spart und ist geizig. Und alle freuen sich darüber. Und alle mögen sie voll. Eine künstliche rosarote Welt! Was ist dann in 10 Jahren? Wenn der Busen hängt und der Rücken schmerzt, das Geld nicht mehr ganz so locker sitzt und das Dschungelcamp nicht mehr läuft?

Wer nichts mit ihr am Hut hat, macht einen ganz großen Bogen um das Buch, denn dann ist es schlichtweg Müll. Es steht nichts Wertvolles oder Schlaues drin. Die Barbie-Puppe, die es ins Fernsehen geschafft hat. Hurra. Hat es schon gegeben, wird es wieder geben. Uns bleibt nichts weiter übrig, als auf die nächste arme Ausgeburt der Medien-Landschaft zu warten, über die man sich dann aufregen kann. Still und leise hoffe ich jedoch, dass die Aliens (oder Marder) noch das eine oder andere Werk von Hornby oder King finden werden.

Bewertung:  

Mrz 132012
 

Es gibt ja Filme, die sind lustig. Das sind relativ oft Komödien. Wenn ein Film einen aber zum Lachen bringt, weil etwas total doof und merkwürdig ist, dann ist das ja eher nicht so gut. Und schon wären wir bei Transmorphers.

90% der Menschheit sind ausgelöscht worden, weil wir irgendwelche Signale an einen weit entfernten Planeten gesendet haben und Robo-Aliens auf die Erde kamen um diesen zu okkupieren. 400 Jahre in der Zukunft lebt der Rest der menschlichen Rasse im Untergrund, denn die bösen Maschinen haben den Himmel verdunkelt und die Oberfläche zu einem unwirtlichen Ort gemacht. Momentchen mal, das hört sich ja ein wenig nach Matrix Revolutions an!  Und ja, Transmorphers ist sehr ähnlich. Nur in schlecht. Aber halt, war Matrix Revolutions nicht schon schlecht? Ach ja, nur eben noch VIEL schlechter.

So erleben wir, wie die Menschen gegen die Maschinen kämpfen und sich auf den finalen Fight vorbereiten. Weil der vorherige Commander Sowieso leider zuvor in ein Himmelfahrtskommando geschickt wurde, wird der eingefrorene Warren Mitchell (Matthew Wolf) aufgetaut und auf den letzten Kampf angesetzt. Warum und weshalb weiß ich nicht genau. Irgendwie brauchen die Leute einen der Roboter, um damit irgendwas zu machen. Warum auch immer. Die Oberkommandeurin ist dabei die merkwürdigste Person mit einer noch merkwürdigeren Frisur, aber vielleicht ist das ja auch einfach mal so in der Zukunft. Dem Plot konnte ich ab einer gewissen Stelle nicht mehr so recht folgen, zumal noch irgendwas mit Verrätern und menschlichen Maschinen reinkam, was bei bestem Willen nicht Sinn ergeben wollte.

Ist ja auch egal. Viel geiler ist dagegen, dass ich ständig lachen musste und mir der Film deswegen mehr oder weniger Spaß gemacht hat. Zuallererst wäre da mal die Synchronisation. Die stammt nämlich direkt aus der Hölle und ist so dermaßen scheiße, dass es immer wieder einfach nur lustig wird. Der eine Commander, der mit dem Himmelfahrtskommando, der hat eine Stimme, die viel zu tief ist und sich eher so anhört, als würde er eigentlich gerade einen Porno drehen. Oder als ob er gerade Sulfur-Hexafluoride eingeatmet hätte. Da der Typ in den ersten 10 Minuten öfter mal spricht, muss man da auch öfter mal lachen. Lachhaft. Und es ist nicht nur seine Stimme, eigentlich sind alle Synchronisationen total mies und erzeugen diesen gewissen billigen Erotik-Film-Flair, sodass man alle 10 Minuten erwartet, dass die sich da gleich ausziehen und rammeln. Tun sie aber nicht. Auch das Geschauspielere ist richtig mies und deswegen wirken total ernste Szenen manchmal so unglaublich bescheuert, dass es einfach ein Fest ist. Die Oberkammandeurin mit der komischen Frisur beispielsweise versucht hin und wieder, Autorität auszustrahlen, was ihr aber, naja, sagen wir einfach, nicht so wirklich gelingt. Und hin und wieder hält einer der Protagonisten eine übelst wichtige Ansprache, über das Ende der Menschheit und so weiter, und gerade da wird es dann besonders witzig. Einfach weil man denen nichts abkauft.

Das vielleicht verstörendste am ganzen Film ist die Tatsache, dass unsere “Helden” anstatt irgendwelcher Helme oder Masken ganz herkömmliche Schwimmbrillen tragen. Die kämpfen also gerade gegen die bösen Roboter und sehen so aus, als ob sie gleich in den nächsten Pool springen wollen. Das ist ganz so, als ob Neo im Kampf gegen Mr. Smith mit Schwimmflügeln und Flossen angewatschelt kommt. In einer der Szenen setzen sich 3 Protagonisten gleichzeitig ihre Schwimmbrille, Verzeihung, Ultra-Kampf-Protection-Goggles auf und marschieren los und ich muss laut lachen, weil es keinen Schauspieler gibt, der sowas ernsthaft spielen kann. Großartig. Vielleicht bin aber auch einfach ein wenig voreingenommen, weil ich weiß, dass man in der Regel Schwimmbrillen zum Schwimmen und nicht zum Kämpfen benutzt.

Und dann das mit Abstand merkwürdigste an Transmorphers: die Special-Effects. An dieser Stelle entschuldige ich mich bei allen Effekten, weil das in diesem Film bei bestem Willen keine Effekte sind, sondern eher mit Microsoft Paint gemalte und animierte Bildchen. Die Roboter sehen aus, als ob die gerade ein Kindergarten in der Vormittags-Malstunde zusammengeschustert hätte. Das ist einerseits relativ schlau, weil billig, sieht aber aus wie ausgekackt. Und auch da bin vor Lachen fast jedes mal vom Stuhl gefallen. Die Raumschiffe und Weltraumanimationen stammen aus der Feder eines wahren Künstlers und bewirken ebenfalls einen doch mehr als billigen Eindruck.

Genau wie bei Matrix Revolutions habe ich das Ende nicht ganz verstanden, aber ist ja auch egal. Dafür gibt es hierzu noch Sequels! Außerdem frage ich mich, wie viele Leute aus Versehen diesen Film gesehen haben, weil sie ihn fälschlicherweise für Transformers hielten. Transmorphers ist also totaler Müll, könnte aber für das eine oder andere Trinkspiel taugen. Wenn man zum Beispiel immer beim Auftauchen einer Schwimmbrille trinken muss, könnte ich mir die eine oder andere Alkoholvergiftung vorstellen. Auch kann man ihn in einer illustren und betrunkenen Männerrunde vermutlich einigermaßen genießen, wenn man sich von jeglichen Ansprüchen an Handlung / Effekten / Darstellern befreit. Prost.

Regie: Leigh Scott (Art House, Beach House, Frankenstein Reborn)

Schauspieler: Matthew Wolf, Amy Weber

Bewertung:  

Mrz 102012
 

Full Metal Jacket heißt übersetzt Vollmantelgeschoss. Dieses ist im Grunde einfach nur eine Patrone für Waffen (bis zu 20 mm Durchmesser) und besteht aus einer harten Hülle (Kupfer, Messing, Stahl) mit einem weicheren Kern (Blei). Vollmantelgeschosse werden wohl größtenteils nur militärisch benutzt, an dieser Stelle würde ich gerne einfach mal Wikipedia zitieren:

Der Mantel schützt den Lauf von Büchsen vor dem Abrieb des weicheren Bleies und verhindert außerdem eine Verformung oder gar ein Zersplittern des Bleikerns beim Auftreffen auf ein weiches Ziel wie einen Menschen- oder Tierkörper.

Das klingt schon ein wenig gruselig, zumal es rund ums Thema Waffen eine richtige Wissenschaft gibt (hier gibts noch ein wenig eingehender um Patronen). Soviel zumindest schon mal zum Titel von Stanley Kubricks zweistündigem Antikriegsfilm. Full Metal Jacket gliedert sich in zwei Kapitel, deren Held Private Joker (Matthew Modine) ist. Im ersten Abschnitt erleben wir die Ausbildung angehender Marines unter dem sadistischen Sergeant Hartman (Ronald Lee Ermey), im zweiten begleiten wir Joker in Vietnam.

Nachdem alle jungen Männer rasiert sind, beginnt ihr Werdegang zum Soldaten. Gleich von Beginn an werden sie erniedrigt und angeschrien, wobei jeder Satz von Hartman einfach nur einprägsam ist. Er hat im Film auch nicht ein Wort an Dialog, das nicht gebrüllt wird. So thematisiert der erste Abschnitt die Brutalität und Kälte, mit der die eigentlich noch viel zu jungen Männer konfrontiert werden. Besonders der etwas zurückgebliebene Rekrut Leonard Lawrence (Private Paula im Deutschen, Private Gomer Pyle im Englischen) kommt nicht mit und wird so Opfer von Hartmann und damit auch zum Gemobbten der gesamten Kompanie.

Der längere zweite Teil zeigt, wie Joker in Vietnam auf seinen ersten “richtigen” Einsatz muss. Dabei ist er selber eigentlich nur als Kriegsberichterstatter tätig, brennt allerdings in seinem jugendlichen Leichtmut darauf, endlich mal jemanden umzubringen.

Private Joker: I wanted to see exotic Vietnam… the crown jewel of Southeast Asia. I wanted to meet interesting and stimulating people of an ancient culture… and kill them. I wanted to be the first kid on my block to get a confirmed kill!

Hier entlädt sich dann im Grunde alles, was den Krieg ausmacht, auf den jungen Mann und seine Kameraden. Spätestens jetzt wird deutlich, dass die Ausbildung niemals genug Vorbereitung für den wahren Schrecken von Vietnam ist. Beeindruckend ist vor allem das Ende, in dem amerikanische Soldaten vor einer zerstörten Stadt entlanglaufen und dabei den Mickey-Mouse-Club-Song singen. Das spiegelt irgendwo wieder, wie sie doch alle nur Kinder sind, die jetzt, wo sie wissen was Krieg ist, nicht mehr so richtig Soldaten sein wollen.

Full Metal Jacket bietet viel Raum für Interpretation, was meine Kompetenzen jedoch übersteigt. Wikipedia bietet hier ein paar sehr überzeugende Ansichten. Für mich herausstechend war vor allem die Tatsache, dass Joker in Vietnam einen Button mit Friedensmotiv trägt, dabei zeitgleich “Born to Kill” auf seinem Helm zu stehen hat. Alleine das ist schon ziemlich absurd und macht den Krieg in gewisser Weise lächerlich.

Ansonsten ist das ein wunderbarer und intelligenter Film, der die Sinnlosigkeit des Krieges und der Soldatenausbildung darstellt. Es wird vollkommen auf Patriotismus verzichtet und der einzelne Mensch, der im Grunde nur eine dumme Marionette ist, als Teil der Tötungsmaschinerie in den Vordergrund gestellt. Die Marines selber scheinen keine Ahnung zu haben, warum sie da gerade Krieg führen. In einer Szene ballert ein amerikanischer Soldat wahllos aus einem Helikopter heraus auf rennende Zivilisten und lacht auch noch drüber, schließlich erhöht er ja damit seinen Kill-Count.

Full Metal Jacket ist herausragend, wenn auch nie so wirklich spannend, schließlich gibt es keinen klassischen Handlungsbogen, was auch der Gliederung geschuldet ist. Es sind vielmehr die einzelnen Dialoge und Einsichten, die man erhält, die einen fässeln und schockieren, wohlwissend, dass der Film sich mit Sicherheit nicht weit weg von der Realität befindet. Der Soldat James Ryan hat beispielsweise eine bombastische Anfangssequenz, die in gewisser Weise auch schonungslos den verletzbaren menschlichen Körper darstellt. Full Metal Jacket ist leiser und wird so zugleich auch persönlicher oder auch subtiler. Ich habe mich jedenfalls nirgends gelangweilt, denn die Protagonisten waren mir nicht gleichgültig.

Während Kubricks Dr. Seltsam eine humoristische Karikatur eines möglichen atomaren Weltkriegs aus der Sicht der Mächtigen zeigt, geht es in Full Metal Jacket um die einzelne Person, die im Grunde an keiner Stelle irgendetwas zu lachen hat und die ohne persönlichen Grund in die Schlacht muss, weswegen man sie erst wie einen Hund abrichtet. Diejenigen, die den Krieg beschließen, sind nicht diejenigen, die in den Kampf ziehen. Beide sind auf ihre eigene Art und Weise sehr unterschiedliche Filme, die beweisen, dass Stanley Kubrick einer der wichigsten Regisseure des 20. Jahrhunderts ist.

Regie: Stanley Kubrick (A Clockwork Orange, 2001, Shining)

Schauspieler: Matthew Modine, Vincent D’Onoforio, Ronald Lee Ermey, Adam Baldwin (nicht mit den Baldwin-Brüdern verwandt)

Bewertung:  

 

Mrz 082012
 

Curtis (Michael Shannon) ist Bauarbeiter und verheiratet mit Samantha (Jessica Chastain).  Zusammen mit ihrer gehörlosen Tochter führen sie ein kleinbürgerliches Leben irgendwo in Ohio. Mit der Zeit jedoch hat Curtis zunehmend Visionen von einem Sturm, der über sie hereinbricht. Seine Halluzinationen werden immer stärker und er träumt von seinen Mitmenschen, die ihn angreifen, verletzen und ihm seine Tochter wegnehmen. Schließlich beschließt Curtis, den Keller in seinem Garten zu einem richtigen Schutzraum auszubauen, was jedoch weder billig ist noch mit Verständnis von seiner Frau aufgenommen wird.

Im Grunde geht es den gesamten Film darum, ob Curtis schizophren ist oder nicht. Seine eigene Mutter hat die Krankheit und er selber fürchtet sich davor. Vor allem treibt ihn die Angst, seine Familie zu verlieren während er sich auf seine eigene Wahrnehmung nicht mehr verlassen kann. So sieht man während der zweistündigen Laufzeit oft Traumsequenzen, die die Sorgen und Ängste Curtis’ thematisieren und ihn verstört zurücklassen. Gleichzeitig ergeben sich finanzielle als auch soziale Probleme. So distanziert sich Curtis nicht nur von seinem eigenen Hund und seinem Bruder, sondern auch von seinem langjährigen Freund und Arbeitskollegen. Im Grunde halten ihn die Leute für verrückt. All die Ängste und Befürchtungen stauen sich in ihm an und müssen sich wohl oder übel irgenwann entladen.

Es ist schwierig, mehr zu erzählen, denn wirklich viel passiert nicht. Wir verfolgen die gesamte Zeit den Verfall von Curtis, der wirklich herausragend von Michael Shannon gespielt wird. Die einzelnen Szenen, in denen er eine riesige Wolkenfront vor sich aufziehen sieht und die bevorstehende Apokalypse vermutet, sehen echt beeindruckend aus. Darüber hinaus ist er ein stiller Charakter und eher verschlossen. Erst mit einer Beraterin öffnet er sich zum ersten mal und schildert seine Befürchtung, selbst geistig verwirrt zu sein. Später erst ist er gezwungen, seiner Frau von seiner Lage zu erzählen, denn anders könnte er den Bunker draußen im Garten auch nicht erklären.

Im Grunde kann man die Szenen, in denen Curtis träumt, erst nicht von der Normalität unterscheiden, bis sich dann oft Extreme hineinmischen, die teilweise ziemlich verstörend sind, beispielsweise wenn ihm seine eigene Tochter von Fremden aus dem Auto entführt wird und er nichts dagegen unternehmen kann. Zeitweise erinnerte mich Take Shelter in all seiner Stille und Ruhe sehr stark an Signs – Zeichen von M. Night Shyamalan, nur eben ohne die ganzen Aliens. Dort ging es auch um eine Familie, die auf eine harte Bewährungsprobe gestellt wird.

Das Finale ist dann eine Art Psychospiel, das ich auf subtile Weise fesselnd fand. Es explodiert nichts, niemand schießt oder dergleichen, aber man wartet gespannt auf die Auflösung. Die fand ich dann ziemlich gelungen und dem Film entsprechend. Dass Take Shelter in keiner Weise auch nur irgendwie für einen Oskar berücksichtigt war, finde ich ziemlich lausig. Dafür dann lieber einen Gaul von Steven Spielberg? Zumindest Michael Shannon hätte hier eine Nominierung als bester Hauptdarsteller mehr als verdient gehabt. Wie dem auch sei, ich lege dieses wunderbare Drama jedem ans Herz.

Regie: Jeff Nichols (Shotgun Stories, Mud)

Schauspieler: Michael Shannon, Jessica Chastain

Bewertung: