Jan 202012
 

Irgendwo in der nahen Zukunft treibt sich unser glatzköpfiger Held bzw. Teilzeitkiller namens Toorop (Vin Diesel) in Osteuropa rum. Und man, da ist es voll brutal und so. Der russische Mafioso Gorsky (Gerard Depardieu) beauftragt unseren Fleischmützen-tragenden Muskelberg mit einem heiklen wie geheimnisvollen Auftrag: Irgendsone Olle namens Aurora (Mélanie Thierry) muss von irgendsonem Kloster nach New York gebracht werden. Begleiten tut sie die Nonne Rebeka (Michelle Yeoh). Soweit, so schon ziemlich egal. Weil die Welt jedoch ein gefährlicher Ort ist, müssen sie verschiedene Fortbewegungsmittel benutzen, die zufälligerweise total gut Platz für Action und sowas bieten. Wie fahren also U-Boot, Schneemobil, Auto und noch ein wenig Flugzeug. Also fliegen jetzt. Warum man nich gleich in den Flieger steigen konnte, erschloss sich mir nicht. Aber da habe ich auch aufgehört, darüber nachzudenken. Aurora ist natürlich irgendwie was ganz Besonderes. Toorop (was ein beschissener Name ey) checkt das aber nicht gleich, oder halt doch, aber nicht so schnell wie der Zuschauer halt. Und dann kommt auch schon die nächste gefährliche und merkwürdige Szene. Einen Gastauftritt hat K1-Star Jérome Le Banner (über dem ‘o’ in seinem Vornamen ist übrigens noch ein Dach, aber ich hab das jetzt der Einfachheit halber mal weggelassen. Das tut mir leid, hoffentlich liest er das hier nicht und verprügelt mich danach. Aber ich schweife ab….). Wo waren wir? KEINE AHNUNG!

Ehrlich mal. Babylon A.D. endet nach 90 Minuten und ich sitze sprachlos da. Nicht weil ich total geflasht bin, sondern weil ich keinen Plan habe, was genau passiert ist. Ich weiß einfach nicht, warum und wieso und weshalb und so weiter! Was macht man nun? Man öffnet Wikipedia und liest durch, worums da jetzt so richtig ging. Ok. Der überwiegend negative Eindruck verstärkt sich, nachdem die Handlung noch einmal meinen Kopf durchwandert. Nun stehen aber in dem Wiki-Artikel Kritiken drin, ganz unten, und die eine geht so:

„Vin Diesel beweist endlich wieder einmal schauspielerische Klasse und profiliert sich in der Rolle des Toorop als legitimer Nachfolger von “Klapperschlange” Kurt Russell. Noch dazu verfügt der Film über das bizarrste Darsteller-Ensemble der jüngeren Zeit: An Diesels Seite agieren Gérard Depardieu als Russen-Mafioso, Bond-Girl Michelle Yeoh und die aristokratische Britin Charlotte Rampling als Verkörperung des ultimativen Bösen. Nicht zu vergessen Top-Model Mélanie Thierry in der Rolle der sinnlich-schönen Aurora. “Babylon A.D.”: ein weiterer Beweis für die internationale Kassenstärke und Attraktivität des neuen französischen Films.

Fazit: Lakonisch erzählte Action-Apokalypse mit rabenschwarzem Humor und Glatzkopf Vin Diesel in Top-Form.“

Aha. Ich mag ja Kasovitz. Der hat coole Filme gemacht, allen voran Hass bzw. La Haine und Die purpurnen Flüsse. Aber Babylon A.D. ist nicht tiefsinnig und nicht gut. Allen voran ist Vin Diesel kein überragender Schauspieler. Ich mag ihn zwar, weiß aber, dass seine Filme in der Regel unterhaltsamer Blödsinn sind. Außer, wenn er Richard B. Riddick ist. Da mag ich ihn, obwohl das am Ende doch eher Quatsch ist. Michelle Yeoh ist auch cool, vor allem in Tigers and Dragons. Ich mag Mark Strong als Schauspieler, z. Bsp. in RocknRolla oder Sherlock Holmes, aber seine Figur hier ist so blöd und eindimensional. Der verdammte Gerard Depardieu war mir noch nie so unsympathisch wie hier. Und alles zusammengewürfelt könnte zwar vielleicht noch cool werden, ist es aber nicht.

Die Geschichte ist völlig wirr und alle Szenen wirken wie lose aneinandergeheftet und austauschbar. 2 verschiedene Gruppen wollen was von Aurora, ABER DIE GRÜNDE, WARUM STEIN UND BEIN IN BEWEGUNG GESETZT WERDEN, UM SIE ZU KIDNAPPEN, SIND VOLLKOMMEN BESCHEUERT. Und noch bevor man irgendwie da durchsieht, ist der Film auch schon vorbei. Das Ende soll dann total tiefsinnig und bewegend sein, ist es aber meiner bescheidenen Meinung nach nicht. Es ist nirgendwo lustig.  Ich habe nicht ein einziges mal gelacht. Vielleicht bin ich einfach nicht schlau genaug, um den tiefsinnigen französischen Humor zu verstehen oder ich bin einfach zu alt, um einem umherballernden Vin Diesel Tiefsinnigkeit abzukaufen. Wie gesagt, es wurde alles in einen Topf geworfen und geguckt, was halt am Ende dabei rauskommt. Zudem unterscheiden sich die deutsche und die englische Version in diversen Szenen deutlich. So endet der Film auf deutsch mit einer anderen Szene als auf englisch. Das zeigt mir nur, wie austauschbar und unbedeutend die Message ist. Und was sage ich da, die Verwurstung hat keine Message. Nur dass wir alle viel dümmer sind in 10 Jahren als wir es nicht ohnehin schon wären.

Und während ich diese Zeilen verfasse, linse ich auf diese eine Kritik, aus der ich bereits zitiert habe und werde wütend. Meine Fresse. Ich bilde mir ein, einem Film Tiefsinnigkeit abzugewinnen, wenn er welche zu bieten hat. Und das tut Babylon A.D. zu keiner Zeit. Es ist kein Kunstwerk, sondern totaler Quatsch. Nur weil Kasovitz auf dem Einband drinsteht, heißt dies nicht, dass dort La Haine drin ist. Ich glaube, die haben den Film gedreht, nebenher lief Gerard Depardieu vorbei und die Leute meinten: “Hey Gerry, nich ma Bock nen total behinderten Mafioso zu spielen?” Und er so: “Na klar!”, wohlbemerkt mit 3 Promille im Blut. So. Das wars soweit. Ich mag praktisch alle Leute, die an dem Film beteiligt waren. Trotzdem würde ich davon die Finger lassen. Wer Lust auf richtig gut gemachte Endzeit hat, schaut sich Children of Men an. Wer Vin Diesel mag, greift zu allen anderen Filmen mit ihm. Danke.

Regie: Mathieu Kassovitz (Die purpurnen Flüsse, Hass, der Typ in ‘Die fabelhafte Welt der Amelie’)

Schauspieler: Vin Diesel, Michelle Yeoh, Mélanie Thierry, Gérard Depardieu, Mark Strong

Bewertung: