Dez 102011
 

Es gibt Bücher, die sind einfach nur geil. Von der ersten bis zur letzten Seite. Aus einem Guss, nie langweilig und irgendwie überzeugend. Und das hier ist so eines. Die einzigen Menschen, die vielleicht vor den Kopf gestoßen werden, sind ganz krass-gläubige Christen und Muslime, aber ein wenig Selbst-Reflektion darf man schließlich erwarten. Doch ganz langsam. Worum gehts eigentlich in ‘Gott bewahre’?

Gott ist angepisst. Nicht nur so ‘Fuck, mein Fußball-Team hat verloren’-angepisst, sondern so à la ‘Fuck, ich rotte gleich die Menschheit aus’-angepisst. Doch warum? Seine Schöpfung, wir Menschen, gefielen ihm eigentlich ganz gut. Dann entschloß er sich, mal ein wenig Urlaub zu nehmen. Einfach mal richtig gechillt Angeln gehen. Da war gerade die Renaissance angesagt. Leider vergeht die Zeit im Himmel viel viel langsamer als bei uns, und als er wiederkommt, muss er feststellen, dass er die ‘Prime-Time’ unserer Existenz verpasst hat. Hexenverbrennung, Weltkriege, Holocaust, Atombomben, etc. Da isser not amused. Also wird beschlossen, Jesus zu uns runter zu schicken um ein bisschen Liebe und sowas zu verbreiten. Dass dieser jedoch eher kiffender Hippie als Erlöser ist, scheint ein wenig hinderlich. Gesagt, getan. Und so lebt Gottes Sohn unter uns als ein ziemlich netter Mann, bis er dazu gebracht wird, an der amerikanischen Variante von ‘Blabla sucht den Superstar’ teilzunehmen, um Preisgeld abzusahnen und seine Botschaft unters Volk zu bringen.

Und dabei wirkt wirklich jede Idee und Wendung so herrlich unkonventionell und geistreich, dass es eine wahre Freude ist, weiterzulesen. Dem einen oder anderen mag es vielleicht etwas zu viel Sozialkritik sein, aber das störte mich nicht ein bisschen. Es geht um die Verschwendung in der modernen Konsumgesellschaft, Toleranz, Kapitalismus, Nächstenliebe und sogar um die Todesstrafe. Und welches Land ist da nicht geiler als die Vereinigten Staaten von Republikanien? So sammelt Jesus einen Tross Jünger um sich, die verschiedener nicht sein könnten. Vom HIV-infizierten Obdachlosen zur drogenabhängigen, alleinerziehenden Ex-Prostituierten. Der ‘Abschaum’ unserer Gesellschaft kommt zu Wort und darf der herzlosen und geldgierigen Welt die Stirn bieten. Dabei entwickelt sich um die Teilnahem bei der Casting-Show eine Art Road-Trip Richtung Kalifornien. Der zweite Teil ist dann ein wenig anders und auch statischer und es spitzt sich dann in Sachen Ernsthaftigkeit und Brutalität alles zu.

Ehrlich gesagt frage ich mich, warum sich keiner über dieses Buch je aufgeregt hat. Zumindest findet sich dazu nichts im Internet. Mit welcher Unverblümtheit hier teilweise die christlichen und republikanischen Denkweisen kritisiert werden. Beispielsweise erklärt Gott, dass er nichts gegen Schwule hat und wie denn die ‘dummen Kirchenmänner’ auf die Idee kämen, es sei in Ordnung, Leute auszugrenzen. Sowas ist dann echt geil. Oft sagt Gott auch, dass er nur eine Botschaft hat: ‘Seid nett’. Nicht mehr und nicht weniger. Doch Moses das Arschloch hätte daraus dann 10 dumme Regeln gedreht und so Auslegungen und so weiter ermöglicht. Ähnlich geht es weiter. Da wird dann der Himmel und die Hölle genauer beschrieben und wer wie bestraft wird. Auch Hitler mittendrin fehlt nicht. Natürlich lässt sich das Buch immer als ‘liberaler Schwachsinn’ abtun, aber in sich ist alles stimmig und schlüssig. Es ist böse Kritik an dem ganzen Scheiß, den die Menschheit sich über die letzen Jahre und Jahrhunderte angehäuft hat. Und in erster Linie wird offengelegt, wie vermeintliche Christen einfach nur puren Hass und Intoleranz predigen und mit so einem Dreck dann auch noch genügend Menschen erreichen.

Dass Jesus’ Aufenthalt hier gewisse Parallelen zum ersten Erlebnis hier vor 2000 Jahren hat, ist klar und eigentlich auch ganz cool eingeflochten. Wer die Bibel nicht kennt, sieht trotzdem diese Stellen und freut sich dann über solche Modernisierungen. Der Lesefluss ist außerdem sehr nett. Vieles wird direkt gesagt und gedacht und kommt dann auch wie ein Film rüber, dem man zuschaut. Es wirkt nicht wie ein Schauspiel und man fühlt sich, als ob man danebensteht. Damit meine ich, dass in Büchern, in denen komplexere Satzstrukturen und dergleichen verwendet werden, die Distanz zwischen Leser und Protagonisten größer ist als hier. Das ist Niven in ‘Coma’ schon echt gut gelungen. Und hier fühle ich mich auch thematisch berührt. Es werden eben Dinge angesprochen, die niemanden kalt lassen. Großartig ist, dass in einem Abschnitt über die Todesstrafe Britney Spears zitiert wird (“Ich bin für die Todesstrafe. Wer schreckliche Dinge getan hat, muss eine angemessene Strafe bekommen. So lernt er seine Lektion für das nächste Mal.”). Das ist intelligent, böse, satirisch und lustig. Alles zur gleichen Zeit.

‘Gott bewahre’ ist gemein für alle Konservativen und sehr kritisch. Meiner Meinung nach ist es ein super Buch und ich würde es jedem uneingeschränkt empfehlen. Das ist nicht die besinnlich-weihnachtliche Feel-Good-Lektüre, sondern sozialkritische Komödie!

Bewertung: 

Dez 092011
 

Who the fuck ist Carlo Pedersoli? Das mag sich der eine oder andere fragen, doch schon schnell wird einem bewusst, dass Bud Spencer ja nur eine Kunstfigur ist oder war und diese von ebenjenem Carlo gespielt wird. Lustigerweise erscheint einem bei Wikipedia der Artikel zu Bud Spencer wenn man den eigentlichen Mann nachschlägt. Der ist inzwischen schon ein wenig alt, stolze 82, und hat auch so einiges zu berichten.

Die Biographie beginnt mit einem Abschnitt, indem sich der alte Carlo mit seinem jungen Ebenbild in einem alten Schwimmbad trifft und die zwei darüber schnacken, was der Alte erlebt hat und was dem Jungen noch bevorsteht. Das geht dann vom 2. Weltkrieg über Schwimmstunden hin zur Auswanderung nach Südamerika, Rückkehr, Teilnahme an den Olympischen Spielen und Auftritten als Komparse. Es ist schwierig, alles zusammenzufassen. Der Mann hat echt viel erlebt und war praktisch überall auf dem Globus. Überragend spannend ist das alles nicht, aber doch auch interessant. Vor allem die Bilder, die zeigen, wie Carlo noch zu seiner aktiven Schwimmerzeit aussah….Ein wahrer Berserker. Übrigens lernte er damals über 3 Ecken schon einen gewissen Mario Girotti kenne, der später noch eine größere Rolle in seinem Leben spielen sollte. Carlo heiratete relativ früh und fing dann halt an, sich mit Gelegenheitsrollen über Wasser zu halten und seine Familie zu finanzieren, bis dann eines Tages ein erster Italo-Western kam, an der Seite von Mario alias Terence Hill.

Mit der Zeit wurden schließlich Bud Spencer und Terence Hill eines der großartigesten und erfolgreichsten Filmduos seit Stan Laurel und Oliver Hardy. Wer hat nicht schon mindestens einmal dabei gelacht, wenn Bud Spencer Schellen austeilt? Die beiden haben viele Jahren lang gute Unterhaltung für jede Altersklasse abgeliefert. Und genauso ist auch das Buch. Man lernt den Mann hinter Bud Spencer kennen, der intelligenter ist als seine Rolle es vermuten lässt. Beispielsweise kann er ein abgeschlossenes Jura-Studium vorweisen. Gleichzeitig sollte man aber auch nicht wirklich tiefschürfende Gedanken oder unglaubliche Exzesse erwarten. Es ist ein Werk für Leute, die was mit Bud Spencer anfangen können. Jemand, der noch nich von ihm gehört hat, wird sicherlich nicht allzu interessiert genug sein. Aber gibt es wirklich jemanden, der noch nie von Bud Spencer gehört hat? Für solche Menschen ist bereits ein Platz in der Hölle reserviert!

Hin und wieder, vor allem in der ersten Hälfte, war es mir doch ein wenig zäh. Das wird dann aber besser, als Carlo sich in Bud verwandelt. Dann geht es mehr um die Filme, die ich fast alle selber kenne und dann macht einem das Buch auch ganz viel Spaß. Eine Art Kindheits-Flashback, als ein Michael Bay noch nicht jeden Scheiß in die Luft fliegen ließ. Und auch hier wird mir eine gewisse Schwäche des Buches bewusst: diese allesumspannende Gutmütigkeit! Praktische jeder Regisseur, mit dem Carlo zusammenarbeitete, war ein Genie. Jeder Schauspieler, mit dem er zusammenarbeitete, war ein Meister seines Fachs! Jeder Kameramann, mit dem man zusammenarbeitete, war ein…. na? Ein Auserwählter natürlich! Und das kommt dann doch verdammt oft vor und das ist eigentlich auch der größte Kritikpunkt. Eine gewisse rosarote Brille muss ich dem Spencer schon vorwerfen. Das wird vor allem diejenigen stören, die auf einen Skandal gehofft haben. Aber so richtig polarisieren tut eben ein Bud Spencer nicht. Er ist gut. Punkt.

Am Ende hatte ich eine gute Zeit mit Bud Spencer. Ich kann jetzt angeben, dass ich seinen richtigen Namen kenne und dass er lange Zeit in Südamerika gelebt hat. Das weiß sonst keiner…. Ansonsten ist es eine nette Autobiographie, ohne große Aha!-Momente, aber trotzdem schön, dass der Mann hinter Bud Spencer ein cooler Typ ist. Wer nichts mit den Filmen anfangen kann, lässt die Finger hiervon. Mag man jedoch seine Filme, ist das hier durchaus auch mal eine Emphelung wert.

Bewertung: