Nov 292011
 

666! Die Zahl des Antichristen. Verderb und Qual. Höllenfeuer. Teufel! Tod! Und nebenbei auch die Seitenzahl der offiziellen Biographie von Steve “Apfelkuchen” Jobs. Zufall? Ein Zeichen von oben? Oder von unten? Schließlich ist die Hölle ja eher unter uns lokalisiert. Und warum kommt das Teil 19 Tage nach Steves Ableben in die Handlung? Hatte da etwa einer Angst vor Konkurrzenz? Und wer ist dieser Walter Isaacson? Fragen über Fragen…

Fangen wir beim Autor an. Im deutschen Raum kannte ich Isaacson nicht, doch er schrieb bereits Biographien über Franklin, Kissinger und Einstein, also über wichtige Persönlichkeiten, die großen Einfluss auf die Welt um sie herum ausgeübt haben. Und nun gesellt sich Steve Jobs hinzu. Wer die letzten paar Wochen auf dem Mond gelebt und keinen Zugang zu Internet und anderweitigen Informationsmedien gehabt hat, dem sei gesagt, dass am 5. Oktober 2011 Steve Jobs an den Folgen seiner Krebserkrankung verstarb. Und selten hat ein Ableben eines Menschen größere Wellen geschlagen! Was wurde im Internet nicht alles darüber geschrieben. Die einen trauerten um den Verlust eines Universalgenies à la Da Vinci, die anderen zuckten mit den Schultern und gaben einen feuchten Furz darauf. Und da wird deutlich, wie polarisierend dieser Steve Jobs aus Kalifornien war. Sogar noch im Tod.

Ich persönlich habe mich nie sonderlich für ihn interessiert. Zwar habe ich ein iPhone und finde es ganz cool, aber MacBooks und dergleichen irgendwie immer abgelehnt. Man erzog mich als Jünger des Gates, jemand der ab Windows 95 jedes Microsoft-Betriebssystem (außer, dem Herr seis gedankt, Windows Me) benutzte. Ich kannte Apple-Produkte fast nur aus dem Fernsehen, als Hipster-Rechner die viel zu teuer sind. Und so richtig war Apple für mich nicht gleich Steve Jobs. iTunes mag ich bis heute nicht und finde es total doof, meine Musik fürs Handy damit verwalten zu müssen. Das war alles vor 2 Wochen, denn dann begann ich mit der Steve-Jobs-Biographie…

Oha? Wurde ich bekehrt? Bin ich ein Fan von Apple und Jobs geworden? Keineswegs! Wenn das Buch eines schafft, dann ihn als ziemliches Arschloch darzustellen. Steve Jobs war kein netter Zeitgenosse! Er verhielt sich zumindest zu den wenigsten Menschen freundlich.

Das Buch beschreibt chronologisch das Leben von Steve. Wie er als Adoptivkind und aus einfachen Verhältnissen kommend aufwächst. Seinen LSD-Konsum, einem hippiehaften Leben, Reisen nach Indien, einem abgebrochenen Studium. Schon recht früh entwickelte er ziemlich strenge und aufzehrende Essensvorschriften für sich und hielt sich fast zwanghaft daran. Man liest, wie er Steve Wozniak begegnete und sie anfingen, zusammen Geräte zu bauen. Ich gebe das jetzt sowieso alles vielleicht nicht ganz richtig wieder, aber eines soll gesagt werden: Isaacson schafft es, detailiert und eindringlich zu schildern, wie durch 2 Nerds in einer Garage das wertvollste Unternehmen auf dem Planeten Erde entsteht.

Dabei wird eines klar: ein jeder hat oder hatte schonmal irgendwas mit Steve Jobs zu tun. Das sind nicht nur die Produkte der Marke Apple, sondern in erster Linie auch Pixar, welches er zu dem Animationsstudio der vergangenen Jahre gemacht hat. Er hat über iTunes im Grunde im Alleingang die Musikindustrie aus einer ihrer schwersten Krisen geführt, mit dem iPod unser Verständnis für Musik unterwegs geprägt, die Smartphone- und Tablet-Branche massentauglich gemacht, den ersten wahren Heimcomputer mit dem Apple II mitgebaut und ganz viel Zeug designt. Hört sich jetzt an wie so eine dumme Verkaufs-Brochüre, aber verdammt, der Mann war an so verdammt vielen Sachen beteiligt. Und das obwohl er ein Arsch war.

Laut Buch hat Jobs ein Gemüt, das jeden Menschen sofort als Gott oder Missgeburt darstellt. Er war rechthaberisch, launisch, hinterging seine eigenen Freunde, erkannte seine leibliche Tocher jahrelang nicht an und übte unglaublichen Druck auf jede Person in seiner Umgebung aus. Hier ist auch das einzige, was mich hin und wieder am Buch gestört hat: Immer, wenn er auf unrealistische Weise etwas ausblendet, sprechen seine Menschen vom Realitiy Distortion Field und der Motivation dahinter. Dass das ganze aber halt auch einfach nur ein Beleg für seinen wenig sympathtischen Charakter sein könnte, wird nicht so oft erwähnt. Trotzdem bleibt er allen in Erinnerung.

Außerdem hat dieser Text jetzt 666 Worte! Der Kreis schließt sich somit und man fragt sich, mag man Steve Jobs? Er wurde mir tatsächlich sympathischer während des Lesens. Einerseits kannte ich das Ausmaß seines Schaffens noch nicht, andererseits liest man unglaublich viele persönliche Sachen und auch Gespräche heraus. Eigentlich wollte ich über das Buch schreiben und nicht über Steve Jobs, denn über ihn wurde einfach schon zu viel geschrieben. Trotzdem vermag es Walter Isaacson, unglaublich viel Information über 4 Jahrzehnte in einer geschmeidigen und wunderbaren Art und Weise zu verpacken. In dem einen oder anderen Technik-Blog wird gemeckert, dass die Biographie viel zu wenig auf die technische Seite eingeht. Aber gerade das fand ich angenehm. Ich hatte stets den Eindruck, gerade aus Versehen beim Zappen bei einer Dokumentation hängen geblieben zu sein und diese dann so spannend zu finden, dass man sie dann guckt und sich wundert, wie denn schon 2 Stunden vergangen sein können. Weil einfach auch andere Leute wie Bill Gates zu Wort kommen und man die tieferen Zusammenhänge der Computer-Branche versteht. Es wird klar, inwieweit Jobs eine Philosophie verfolgt hat und wie er stets alles kontrollieren wollte, von der Herstellung bis zum Verkauf seiner Produkte und sogar jegliche Software.

Spannung sollte keiner erwarten. Es ist kein Krimi oder Thriller, sondern die Geschichte eines Mannes, der auszog, Produkte herzustellen, die cool waren oder die er einfach cool fand. Nicht mehr und nicht weniger. Und insoweit hat es das Buch tatsächlich geschafft, dass ich, anfangs eher skeptisch, Steve Jobs als einen ganz großen Geist der letzten Generationen in Erinnerung behalte. Insofern ist dies ein super Werk und absolut emphelenswert, wenn man sowas “lesen kann”. Wer noch nie eine Biographie gelesen hat und ein Plot braucht, wird hiermit nicht unbedingt glücklich und wartet einfach auf den Film, der bald kommt (ich haße Hollywood).

Bewertung: 

Nov 152011
 

Ach Gottchen. Wie sie sich alle aufgeregt haben. Der Völler, die BILD, der Magath und ganz Deutschland! Ein Buch, in dem der erst 28-Jährige Kapitän unserer Nationalmannschaft einfach alles und jeden mit Kacke bewirft! Beispielhaft mal diese Talkrunde:

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Ich frage mich ernsthaft, ob irgendeine der (damals) rumheulenden Personen sich mal das Buch durchgelesen hat. Denn es steht wirklich drin, was aus dem Einband steht: Wie schwer es sein kann, heutzutage professionell dem Fußballsport nachzugehen. Und an dieser Stelle ein herzliches “Fuck-You” an die Bild-Zeitung, die sich die angeblich so brisanten Stellen rausgeklaubt und kontextfrei vorab veröffentlicht hat. Lahm schreibt drei oder vier Sätze über Völler im gesamten Buch. Die sind nüchtern und nicht wirklich negativ. Das meiste über Magath ist eher positiv. Auch über Van Gaal, Klinsmann und Löw kann man was lesen. Alles sachlich und niemals, ich wiederhole, niemals verletzend / verunglimpfend / beleidigend / herablassend. Nirgends. Drecks-Bild-Zeitung eben. Und sonst so?

Es ist eine Autobiographie, knapp 250 Seiten stark. Beginnend von Lahmis Anfängen als kleiner Bub bis hin zur aktuellen  WM in Südafrika. Ich persönlich bin mit einem eher negativen Eindruck an das Buch gegangen. Ich kenne Lahm bei den Bayern und die Bayern mag ich halt nich so wirklich. Und dann ja noch das ganze dumme Medien-Theater drumherum! Also rechnete ich mit einem Werk der Schande und des Klatsches, durchzogen von bösen Beschimpfungen, supergeheimen Interna und rechtem Gedankengut.

Und was bekam ich? Ein wirklich nettes Buch von einem netten Kerl, der es geschafft hat, sich mit Fußball seine Brötchen zu verdienen. Hier und da liest man Spielverläufe, beispielsweise das 4:0 gegen Argentinien in Südafrika. Das ist ganz unterhaltsam. Man erfährt wie schwierig es ist, wenn man sich verletzt. Leistungsdruck und Erwartungen, die permanent Druck auf einen ausüben. Es wird hier und da der Alltag eines Fußballers deutlich und auch das drumherum, über Privatsphäre wird auch gesprochen.

Mich persönlich interessiert Fußball. Insofern hat es mich auch interessiert, zu lesen, wie man Profi wird. Und das vermittelt das Buch auch. Obwohl Lahm mit Ende 20 noch lange nicht alle Stationen erreicht hat. Es gibt ein Kapitel, in dem er von seinem Engagement als Wohltäter quatscht. Das fand ich ziemlich zäh und langweilig, der Rest war wirklich gut zu lesen. Ob man am Anfang jedes Kapitels in Stichpunkten das Kapitel zusammenfasses muss….ich weiß es nicht. Mir ehrlich gesagt auch egal. Natürlich hat er das Buch jetzt nicht alleine geschrieben. Das hat kein Fußballer. Aber in meinen Augen hat er sich vom Giftzwerg zu einer ehrlichen Persönlichkeit gewandelt. Ist ja auch schon mal was.

Jetzt wäre es mal interessant zu wissen, ob der ganze Schmarn mit den vorab veröffentlichten Zitaten nicht nur ein ganz mieser Werbetrick war. Publicty halt. Der wirkliche Verlierer für mich ist trotzdem die Bild-Zeitung, aber wenn man das Niveau von Kot schon vor Jahren erreicht hat, kann man nicht noch weiter sinken. Auch Rudi Völler hat in meinen Augen viel an Sympathie eingebüßt. Lustigerweise redet keiner mehr darüber und das wird wohl auch in Zukunft keiner mehr tun. Schade, denn meiner unwichtigen Meinung nach hätte Lahm die eine oder andere Entschuldigung verdient.

Wer Fußball mag und gerne ein wenig hinter die Kulissen gucken würde, findet das Buch ok oder sogar gut. So wie auch ich. Dem Rest ist ‘Der feine Unterschied’ zu langweilig. Es ist kein Meisterwerk der Literatur und auch nicht wirklich spannend. Ein Sachbuch über einen Typen, der Fußball spielt. Wer lieber skandalösen Quatsch lesen will, kauft sich die aktuelle Bild (und kommt in die Hölle). In diesem Sinne:

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Bewertung: