Jun 302011
 

Wieder einmal abgebrannt? Das Ende des Geldes erreicht, aber noch ganz viel Monat übrig? Trotzdem zocken wollen? Kein Problem, gibt ja genügend Zeugs umsonst in den Weiten des Internets, mit dabei auch eine Menge (Ex-)Vollpreis-Titel, die heutzutage !legal! zu haben sind. Hier mal eine kleine, aber feine Auswahl.

 

Team Fortress 2

Das 7 GB große Game gibt es seit kurzem via Steam kostenlos, undzwar hier. Team Fortress ist ein an Counter-Strike erinnernder Team-Shooter von Valve. Allerdings ist er auf 60er getrimmt und kommt mit einem Spionage-Kalter-Krieg-Stil um die Ecke. Außerdem gibt es diverse verschiedene Spielmodi (Angriff & Verteidigung, Capture Points, Capture the Flag, King of the Hill, etc.) und 9 verschiedene, sehr, sehr unterschiedliche Klassen, die den Spielwitz im Endeffekt ausmachen. Man kann als temporär unsichtbarer Spion umherschleichen, oder aber auch als monströser Heavy mitsamt Gatling-Gun alles wegnieten. Es gibt Medic, Ingenieur, Kundschafter und noch ein paar mehr. Wer also kein Bock auf seriöse Team-Schnetzler wie Call of Duty, Battlefield oder Counter-Strike hat, findet mit TF 2 ein deutlich abgedrehteres und trotzdem komplexes Multiplayerspiel im Comiclook. Umsonst ist das Spiel nocht nicht zwangsläufig, finanzieren tut es sich über einen Marktplatz, in dem man (Achtung!) verschiedene Kleidung und Accessoires für seinen Charakter kaufen, verkaufen und tauschen kann. Fast jede Waffe lässt sich jedoch auch ohne zu bezahlen erlangen bzw. bessere Waffen werden durch besondere Leistungen und Erfahrung freigeschaltet. Hier ist ein nützliches FAQ zum Unterschied zwischen Free-to-Play oder Nicht-Free-to-Play. Ansonsten kann ich TF 2 nur emphelen, da es sich angenehm von anderen Szenarien abhebt.

 

 

Super Mario Bros. X

Ein paar Hobby-Bastler haben dieses Teil gemacht, für das es diverse Zusatz-Level gibt und dass sich am besten mit Gamepad steuert. Anfühlen tut sich Super Mario Bros. X eins zu eins wie früher auf der Super Nintendo. Auf der ehemaligen Seite wird das lediglich 37.5 MB große Game nicht mehr angeboten (und erhält vermutlich damit keinen Support mehr), bei Chip.de kann man es jedoch immer noch herunterladen. Garantiert nicht nur für Nostalgiker. Geil ist auch der Koop-Modus für bis zu 2 Mann (mit Gamepads). Mit Tastatur ist die Steuerung jedoch absolut grauenhaft. Ansonsten kann man nicht meckern, Musik und Spielgefühl sind gleich geblieben und sind so simpel wie das ABC.

 

 

Battlefield Play4Free

Das Spiel befindet sich noch in der Beta. Aussehn und anfühlen tut es sich wie ein Battlefield 2 auf Sparflamme. Starten tut man das Teil über den Browser über diese Seite, runterladen muss dann jedoch ‘nen ganzen Gigabyte. Über einen EA-Account wählt man sich mit einem Spielcharakter eine Klasse, die man nicht wechseln kann. Im Spiel erlangte Punkte und Boni darf man dann in einem Menü in Fähigkeiten investieren. Dreist ist, dass das Fliegen von Helis und Jets erst mit so einem Punkt möglich ist. Die kriegt man mit zunehmends Level, oder aber auch gegen Geld. Und hier wirds unfair. Für echte Knete kann man sich schickere Waffen leisten, die durchaus Vorteile im Kampf verschaffen. Zocken kann man trotzdem auch ohne €uros zu investieren. Dumm ist auch, dass man nicht zwischen den vier Klassen switchen kann. Einmal Sniper, immer Sniper. Für lau darf man sich dann noch ein zweites Alter Ego anlegen, mit seperaten Erfahrungspunkten und dergleichen. Und dann stößt man auch an die Grenzen. Bock die zwei anderen Klassen zu spielen? Nur über ein weiteres Konto….leider eben sehr umständlich. Im laufenden Kampf kann man so nicht die Klasse tauschen, eine taktsiche Komponente ist dahin. Da alles noch in der Beta ist, weiß ich nicht, wie es sich noch entwickelt. Aktuell wird man zufällig auf einen Server geworfen und muss die Karte spielen, die da gerade läuft. Teamplay ist eher schwierig. Für zwei Wochen war das Game jedoch ganz nett, ich fühlte mich wie damals mit Battlefield 2 (da die Karten die gleichen sind). Einem geschenkten Gaul, schaut man eben nicht ins Maul. Vielleicht braucht der eine oder andere fundierten journalistischen Rat in Form des Gamestar-Tests zu Battlefield Play4Free.

 

 

 Trackmania Nations Forever

Das Rennspiel gibt es bei hier bei Chip. Trackmania erfreut sich noch heute großer Beliebtheit. Das liegt vor allem an den abgedrehten und teilweise wirklich genialen Strecken, inklusive Loopings und Schrauben und Jumps und so weiter. Ein Schadensmodell oder ähnliches gibt es nicht, jedoch geht es viel mehr gegen die Zeit als um die Gegner, man will aus jedem Parcours noch ein hundertstel herausholen und die Bestzeit verbessern. Immer näher an der perfekten Ideallinie und mit nichts weiter als den Pfeiltasten lässt sich das Game auch an einem PC (abwechselnd) oder eben Online zocken. Strecken kann man selber bauen und verbreiten. So gibt es unzählige ‘Maps’ inzwischen. Sogar für mich als Nicht-Rennspieler macht Trackmania einen Heidenspaß. Mit einem halben Gigabyte bleibt das ganze auch überschauber. Absolut emphelenswert für jedermann.

Das wars fürs Erste. Im Internet gibt es jedoch noch weitere unzählige Games4Free (inzwischen), in Kürze dann noch mehr! Bis dann und viel Spaß.

Jun 292011
 

Das Buch ist die Autobiographie des wohl (angeblich) letzten deutschen Straßenfußballers, Ansgar Brinkmann. Wem der Name nichts sagt und wer sowieso nicht auf Fußball steht, kann ab hier getrost nicht mehr weiterlesen.

Brinkmann wird 1969 in Vechta (nicht weit von Bremen und Osnabrück) geboren und erlebt so als Kind bereits den Sieg der deutschen Fußballnationalmannschaft bei der WM 1974 mit.  Als talentierter Spund wird er mit Bayer Uerdingen Deutscher A-Jugend-Meister. Dieser Titel bleibt der einzige in seinem Leben. Danach tengelt er von Verein zu Verein fröhlich durch fast alle Ligen in Deutschland (von der 1. bis zur Oberliga). Dabei beschreibt Brinkmann die vielen kleine Probleme, oft auch aufgrund seiner Person. Ob mit dem Trainer oder anderen Verantwortlichen, irgendwo eckte er immer an und war dann oft gezwungen, den Verein zu wechseln. Das ist schade, denn einer wie er, der mit Oliver Bierhoff und Bernd Schneider zusammen Fußball spielte, hätte wohl auch Chancen auf die Nationalmannschaft gehabt.

Das Buch ist chronologisch sortiert und die einzelnen Kapitel entsprechen jeweils der Zeit in einem Verein (oder mehreren). Nebenbei gibt es neben sportlichen Ereignissen auch immer wieder Anekdoten und Einblicke in die raue Welt des Fußballs.  Allerdings stören sich wiederholende Passagen über Brinkmanns Freidenkertum. Im ersten Drittel gibt es mehrere Abschnitte, wo er abdriftet und erzählen muss, was für ein Sturkopf er ist und deswegen eben manchmal falsche Entscheidungen getroffen hat. Das geht einem auf die Nerven. Ansonsten geht es eher nicht so viel um Fußball im eigentlichen Sinn, sondern mehr um das Drumherum. Das widerum fand ich sehr interessant, da ich als Fußballzuschauer die inneren Abläufe in einem Team bzw. Verein nicht mitbekomme.

Insgesamt erschien mir die erste Hälfte schwächer. Es zieht sich ein gewisses Maß an Überheblichkeit durch das Buch, was sich zum Ende hin aber wieder gibt und mir persönlich Ansgar Brinkmann als doch sympathischen Menschen vermittelt, der auf jeden Fall viel rumgekommen ist und eben von der 1. Bundesliga bis zum Abstieg in irgendeine Oberliga schon alles mitgemacht hat.

Man darf keine großen Botschaften erwarten. Ansgar Brinkman ist ein Fußballer, kein Philosoph. Er lernt weder aus seinen Fehlern noch ist er jedoch ein schlechter Mensch. Mir erschien das Buch vor allem ehrlich mit dem einen oder anderen kindlich-stolzen Moment (dass er z. Bsp. mit Bielefeld die Bayern geschlagen hat). Wenn man sich durch den zähen Anfang kämpft, dann erhält man einen netten Einblick in ein auf alle Fälle nicht langweiliges Leben.

Für mich als jemanden, der Brinkmann noch zur aktiven Zeit kannte, war der ‘Der Weiße Brasilianer’ ein gutes Buch. Wer noch nie eine Autobiographie gelesen hat, sollte wissen, dass diese gerne auch mal etwas zäh sein können. Es gibt nun mal keinen Spannungsbogen (in der Regel), und man sollte schon eine gewisse Begeisterung oder zumindest ein wenig Interesse für die Person mitbringen.

 

Zitat Ansgar Brinkmann (auf die Frage, ob er sich einen Wechsel nach Katar vorstellen könne): Ich hab’ noch keinen Bock, so’n bisschen in der Wüste zu spielen. Da sitzen dann ein paar Scheichs in ihren Sesseln, telefonieren während des Spiels und essen Pommes. Dafür bin ich noch zu gut. Obwohl: Montag bei Basler grillen, Dienstag bei Effenberg und Mittwoch bei mir – das könnte lustig werden.

Bewertung: 

Jun 262011
 

Den Namen der Hauptfigur erfahren wir nicht, aber im späteren Verlauft wird sie jedoch stets Baby Doll (Emily Browning) genannt. Deren Mutter stirbt und als ihr Stiefvater versucht, ihre kleine Schwester zu vergewaltigen, bedroht sie diesen mit einer Waffe, wobei Baby Doll aus Versehen ihre eigene Schwester erschießt und von dem Typen dann in eine Klapsmühle abgeschoben wird. Dort soll in fünf Tagen eine Lobotomie an ihr durchgeführt werden, die sie zu Gemüse macht.

Das ist der ungefähre Rahmen. In der Anstalt selber flieht sie während der Sitzungen mit der Psychologin in eine Traumwelt, in der die Einrichtung zu einem Bordell / Stripladen wird. In dieser Traumwelt wiederum flieht sie beim Tanzen in eine weitere Welt, in der dann die ganze Action abläuft. Somit spielt der Film auf 3 Ebenen, ist jedoch von Tiefgründigkeit so weit entfernt wie  die Erde vom nächsten Stern.

Der Anfang von ‘Sucker Punch’ ist ziemlich cool. Zu einem Cover von ‘Sweet Dreams’ werden die grausamen Umstände von Baby Dolls Einlieferung gezeigt. Das weckt gut Emotionen, und die Kamerafahrten sind richtig nice. Die Stimme aus dem Off kommt zwar mit irgend einem tiefgründigen Quatsch, das ist bis dahin aber noch nicht störend.

So, und dann gehts los. Nun wirds richtig bunt. Angelehnt an die reale Welt, wird in der Bordell-Welt ein Plan zur Flucht geschmiedet. Dazu braucht man scheinbar vier Gegenstände, die dann in der dritten Welt gesammelt werden. Diese finale Welt ist der Action-Fantasy-Samurai-Nazis-Drachen-Explosionen-Part. Episodenhaft werden hier die Objekte der Begierde von irgendwelchen Robotern oder Nazis oder Drachen eingesackt. Das ist das erste Mal noch ganz cool, wenn Baby Doll gegen metallene Gatling-Gun-tragende Samurais kämpfen muss im  Schülerinneoutfit und nur mit einer Pistole und einem Schwert bewaffnet. Als sich die weiteren Mädels zu ihr gesellen, wird es relativ ähnlich. Und hier ist das erste Problem. Die ganzen Kampfszenen sind sich alle so ähnlich und so übertrieben cool, dass sie schon wieder irgendwie belanglos sind. Es ist zwar immer klar, dass diese ausgedachte Welt nur den zermarterten Geist einer jungen Frau darstellt und die trübe Tristess ihres Alltags kaschieren soll, doch mangelt es an Reflektion in die reale Welt. Wir sehen das wahre Geschehen nur am Anfang und am Ende, doch wird das alles müßig.

Der Fakt, dass sie lostanzen muss, um die dritte Welt betreten zu können, war okay, beim vierten Mal erscheint mir das jedoch dann schon wieder lächerlich. Warum wird die Realität so krass ausgeblendet? Das kann man natürlich als tiefgründiges stilistische Mittel auslegen, wenn es denn nicht so nerven würde! Und so wird der Film zu einem hohlen Mix aus Kill Bill und Inception, ohne jemals auch nur ein wenig die erzählerische Stärke seiner Vorbilder zu erreichen. Es gibt zwar hier und da ein paar coole Kampfszenen, die, wie ich finde, nur Hülle sind, für viel zu wenig Substanz.

Problematisch ist auch, dass unsere Heldin in der Realität nicht ein einziges Wort sagt und sonst auch eher wenig spricht. Der Rest der Girlie-Crew ist auch nich besonders helle, man kommt aber nicht um den Gedanken hinweg, dass nur Models im Irrenhaus einsitzen. Berufsrisiko? Die Art und Weise, wie sich die Beziehungen und Ideen der Weiber entspinnen, ist auch vollkommen sinnfrei und vermisst Tiefe. Der Einstieg in jede einzelne Mission der dritten Welt wird immer wieder mit (wirklich guter) Musik unterlegt, sodass sich hier ein erzählerischer Wiederholungs-Charakter ergibt. Das hat dann auch ein wenig gestört. Nebenbei belegen die pseudo-schlauen Dialoge die wenig clevere Handlung.

Das Ende fand ich dann merkwürdig. Mich hat es nicht wirklich befriedigt. Es sollte zwar irgendwie schlau sein, das fand ich jedoch nicht. Wie dem auch sei, ich will das nicht spoilern. Gesagt sei nur, dass eine tiefgründige und nachdenkliche Stimme aus dem Off mit entsprechendem Pathos alleine nicht ausreicht, um dem, was man sieht, auch Tiefe zu geben. Am Ende darf Jon Hamm (aus Mad Men, The Town) kurz auftreten. Und mein Gott, ist sein Charakter doof. Die Psychologin fügt sich da nahtlos ein.

Und was hat man nun am Ende? In der Realität ein (nicht wirklich) bewegendes Drama um die Psychatrie, in der ersten Traumwelt ein Chick-Flick à la ‘Dreamgirls’ oder ‘Burlesque’ und in der finalen Actionwelt ist man bei ‘3 Engel für Charlie’. Ich weiß nicht, ob das wirklich funktionieren kann. Die meisten Kritiken sind sehr kritisch, wobei durchaus viele Comments aus jungen Kreisen von tiefer Begeisterung zeugen. Mir persönlich war das alles zu mager, es gibt zig Filme, die zwar keine Genres mixen, jedoch in ihrem Bereich es viel besser machen als ‘Sucker Punch’. Was die Action und Fights angeht, so fährt man mit Kill Bill, 300 oder Shoot Em Up besser. Wer diese ‘Frauen-arbeiten-im-Puff’-Filme mag, der ist mit ‘Moulin Rouge’ besser dran. Und was die Drama-Komponente angeht, so gibt es das überragende ‘Pan’s Labyrinth’. Für mich war ‘Sucker Punch’ leider nur eine Grafik-Hure. Sieht gut aus und nicht viel dahinter.

Regie: Zack Snyder (300, Watchmen, Dawn of the Dead)

Schauspieler: Emily Browning, Abbie Cornish, Jena Malone

Bewertung: 

Jun 242011
 

Der Film zeigt, wie Charles Xavier (James McAvoy) und Erik Lehnsherr (Michael Fassbender) aufwachsen und 1962 im Zuge des Kalten Krieges zu Freunden und Verbündeten werden. Sie stehen mit ihren Mutantenfähigkeiten dem skrupellosen Kriegstreiber und ebenfalls Mutanten Sebastian Shaw (Kevin Bacon) gegenüber, welcher den dritten Weltkrieg forciert.

In gut zwei Stunden wird mit dieser Comic-Verfilmung ein weiteres Puzzle-Teil in der Sage um die X-Men hinzugefügt. Dabei werden viele Querverweise auf Szenen und Charaktere aus den bisher 4 vorher erschienenen Filmen um die Mutanten geschlagen. Das ist ziemlich cool und ist (bis auf die eine oder andere Kleinigkeit) sehr stimmig und vermittelt einem eine große Komplexität des gesamten Settings. Wer also die anderen Filme alle kennt, freut sich, hier und dort ein bekanntes Gesicht zu sehen (Striker, Logan, den Bruder von Cyclops, etc.). Sollte man die anderen Filme alle nicht kennen, geht auf jeden Fall ein wenig Flair verloren.

Die gesamte Handlung und Vorgeschichte war auch ganz nett. Der Kalte Krieg als Kulisse für das erste Auftauchen der Mutanten bzw. X-Men mit Einspielern von Kennedy sowie die Kindheit Eriks im KZ, es wirkt alles nicht aufgesetzt oder künstlich. Natürlich ist Kevin Bacon als Bösewicht ein wenig überzeichnet und nicht bis in die Haarspitze durchdacht (seine Pläne sind irgendwie schon ganz schön seltsam oder sogar dämlich), macht jedoch eine ganz gute Figur. Am meisten sticht wohl die Freundschaft zwischen Xavier und Lehnsherr (bzw. Professor X und Magneto) hervor, die jedoch nicht so unbedingt tiefgründig ist wie sie vielleicht hätte sein können. Das stört einen aber nicht unbedingt stark.

Was mich als Kenner der anderen Filme störte, war die eine oder andere nicht ganz saubere Sache. So wird in einigen wenigen Szenen Striker dargestellt, welcher der Schurke in X-Men 2 ist, der jedoch unmöglich 1962 schon so alt gewesen sein kann. Auch Mystique, die man aus X-Men 1, 2 und 3 kennt, wirkt rein vom Körper nicht ganz so elegant und ‘mystisch’, wie man sie eben aus der Trilogie kennt. Das ist im Endeffekt aber in Ordnung, oder zumindest zu verkraften.

Wirklich gestört haben mich die Kinder, die von X und Erik rekrutiert wurden. Diese waren so unglaublich belanglos und teilweise doof, dass man wohl auch auf die hätte verzichten können. So spielt beispielweise ein rothaariger Junge mit erstaunlicher Ähnlichkeit zu Ronald Weasley mit, dessen Fähigkeit das Kreischen von Tönen ist. Jedoch soll er damit auch fliegen können. Das möge vielleicht noch durchgehen, dass er beim Fliegen aber wirklich nicht gut animiert wirkt und eher wie eine fliegende Puppe ausschaut, ist nicht gut. Gott sei Dank bleiben solche Szenen aber nicht lange zu sehen. Auch die eine Mutantin mit den Libellenflügeln und Feuerspuckereigenschaften (die übrigens die Tochter von Lenny Kravitz ist: Zoë Kravitz) ist einfach nur ein farbloser Fleck. Ihre Fähigkeiten sind nicht sonderlich toll oder nützlich und deswegen nimmt sie auch nicht wirklich großen Anteil am Geschehen.

Kevin Bacon als Bösewicht war gut. Jedoch hätte ich mir noch mehr Screentime mit ihm gewünscht, wo er noch mehr Bösartigkeit oder Wahnsinn hätte vermitteln können. Ein Joker ist er nicht. Und dass der Fiesling in X-Men-Filmen immer ein paar gesichtslose Mutanten-Sidekicks haben muss, ist nicht sonderlich innovativ.

Die restlichen Effekte (bis eben auf den Schalljungen) sind gut, das Herausheben eines U-Bootes aus dem Wasser sieht echt ganz cool aus. Der ganze 60er-Flair des Films hat auch gut gepasst, von den Frisuren, den Dessous, den Autos oder der Kleidung her.

Im Endeffekt ist ‘X-Men: Erste Entscheidung’ definitiv ein guter Film (und Gott sei Dank deutlich besser als X-Men Origins: Wolverine). Wer die X-Men sowieso mag, wird sich sehr wohl in diesem Prequel fühlen. An die Tiefe eines Watchmen reicht das natürlich nicht heran, aber dadurch ist das ganze Mutantenspektakel auch leichter zugänglich und verdaulich.  Auch als Nicht-Kenner der anderen Filme kann man seinen Spaß damit haben, zumal die einzelnen verschiedenen Fähigkeiten der Protagonisten zumeist echt cool sind.

Regie: Matthew Vaughn (Kick-Ass, Der Sternenwanderer, Layer Cake)

Schauspieler: James McAvoy, Michael Fassbender, Kevin Bacon

Bewertung: 

Jun 112011
 

Kommt ein Mann in eine Bar. Er setzt sich an die Theke und guckt den Barkeeper an. Schmunzelnd erkundigt sich dieser, was der mysteriöse Fremde gerne trinken würde. Der Mann überlegt, überfliegt die Karte und legt dann los:

“Ich möchte ‘Independence Day’, ‘Cloverfield’, ‘Crysis’ und ‘Prey’ [Anmerkung: die letzten beiden sind Computerspiele]. Nimm alles und kipp das in einen Kübel. Dann nimmst du noch eines dieser x-beliebige Gruppe-kämpft-ums-Überleben-und-einer-nach-dem-anderen-stirbt-Szenarios und garnierst das richtig mit Schmackes Luftkämpfen, vorzugsweise so á la Krieg der Sterne. Erinnern muss das noch ein wenig an ‘World Invasion – Battle Los Angeles’ irgendwie und auch ‘Krieg der Welten’ will ich herausschmecken. Am wichtigsten sind mir so richtig schön flache Charaktere und wehe, du packst auch nur einen intelligenten Dialog rein! Wage dir, Freundchen! Das merke ich sofort! So, Special Effects können ruhig gut sein, ist mir total egal. So, um das ganze dann noch zu krönen, machste mir einen Schlag Sahne mit dem beschissensten Ende, den ein Film haben kann, drauf. Du verstehst? Der Film ist schon so richtig richtig Scheiße, aber der Schluss muss das alles noch einmal toppen. So du guckst den Dreck und denkst, wenigstens gleich vorbei. Letzte Szene fickt den Zuschauer dann komplett. So Surprise-mäßig halt, checkste? Schön umrühren, und vergiss das Schirmchen nicht!”

Der Barkeeper, vollkommen fassungslos, weiß nicht ein noch aus.

“Alter, der Drink killt dich. Lass die Finger von sowas. Der Letzte, dem ich sowas gemixt habe, findet bis heute keinen Job mehr in Hollywood.”

Trotzig erwidert der Fremde: “Ist mit egal, hau rein, hurtig!”

So mixt der Barkeeper den Kübel voll Blödsinn und Schwachsinn und weiterer Synonyme für total dämliche Sachen. Er muss sich die Nase am Ende zuhalten, der Gestank bohrt sich in seinen Kopf. Er kann kaum glauben, dass er das wirklich tut. Aber er ist schon seit 30 Jahren Barkeeper und hat noch nie einen Kunden unzufrieden nach Hause geschickt. Ja, auch ein Barkeeper hat seine Ehre.

Der Mann guckt ihm ungerührt zu, als das Gebräu schließlich fertig ist und der dicke Eimer vor ihm steht. Ein kurzer Blick in die Brühe, ein kurzes Schütteln, ein Durchatmen und schon kippt er alles runter. Alles mit einem Mal. Ohne auch nur einmal abzusetzen. Dem Barkeeper fällt die Kinnlade herunter. Hat der gerade 90 min Sci-Fi-Dreck in einem Zug geleert? Ja, das hat er.

Der Mann setzt das Gefäß ab, schaut den Barkeeper mit einem Lächeln an. “Hast wohl nicht gedacht, dass ich das schaffe?”

Im gleichen Moment fällt er nach hinten und muss sich übergeben. Er kotzt den Boden voll, ächzt und stöhnt. Mit letzter Kraft schreibt der das Wort ‘Skyline’ in sein eigenes Erbrochenes. Dann stirbt er. Todesursache: Dummheit. Nach 30 Jahren des Barkeeper-Daseins gibt der Barkeeper seinen Beruf auf, besser ist.

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Die Erde wird von Aliens angegriffen. Mittendrin ist eine Gruppe von Freunden in Los Angeles.

So, alles was ich sagen wollte, habe ich in die Story da oben verpackt. Wen das nicht abschreckt, viel Spaß. Los, guckt ihn euch an. Oder etwa Angst auf einmal? He?

Richtig heftiger Müll. Miese Schauspieler, miese Handlung, miese Dialoge, und wenn man denkt, okay, es wird nicht mieser, kommt dieses beschissene Ende und man sitzt so da: WTF? Really? WTF? Ja, die Effekte sind okay oder gut, aber der Rest geht einfach mal gar nicht.

Geht doch lieber die Wohnung oder das Haus putzen. Hat man mehr von. Oder einen der Filme da oben gucken, die sind auch besser. Die Steuererklärung macht sich auch nicht von alleine!

Regie: die Strause-Brüder (Alien vs. Predator 2, die beiden machen seit 15 Jahren die Special Effects für praktisch jeden Film)

Schauspieler: Eric Balfour, Scottie Thompson, Donald Faison

Bewertung: 

Jun 092011
 

Der Kämpfer Einauge (Mads Mikkelsen) wird als Sklave gehalten, um gegen andere auf Leben und Tod zu kämpfen. Einauge selbst spricht nicht, das erledigt später der kleine Junge Are (Maarten Stevenson) für ihn. Als er sich befreien kann, schließen sich die beiden einer Gruppe von Kreuzfahrern an, die ins gelobte Land fahren wollen. Die Reise dorthin ist jedoch nicht wirklich einfach.

In gut eineinhalb Stunden wird eine etwas diffuse Geschichte erzählt. Dabei muss man bedenken, dass ‘Walhalla Rising’ weder Abenteuer- noch Action-Film ist. Es ist ein Kunstfilm und ich kann mir gut vorstellen, dass so etwas dem einen oder anderen gefällt. Mir persönlich nicht, aber wie gesagt, Geschmacksfrage. Was meine ich mit Kunstfilm?

Zum einen redet der Hauptcharakter Einauge nicht. Es wird wenig gesprochen und viel Natur gezeigt. Lange Szenen von Landschaften mit einer diffusen Musik. Eine kalte und rauhe Welt wird  präsentiert, hier und da gibt es brutale Szenen. Alles untergliedert in 6 Kapitel, die jedoch selbst nicht hilfreich bei der Erzählung sind, sondern eher Phasen darstellen.

Mir fällt es schwer, das alles zu beschreiben, zumal solche Filme selten sind. Mads Mikkelsen spielt einen total rohen und distanzierten Wilden, der ohne zu fragen jeden umbringt, wenn es sein muss. So rücken eigentlich alle Figuren in den Hintergrund, man identifiziert sich mit niemandem. Die teilweise langen Shots geben dem ganzen noch einen etwas dokumentarischen Charakter. Alles findet langsam statt, alles ist irgendwie kalt und unwirklich. Vielleicht auch irgendwie verträumt.

Die Handlung an sich ist relativ wirr, ich hatte Schwierigkeiten, alles nachzuvollziehen und musste mir am Ende den Wikipedia-Artikel zum Film durchlesen, um zu wissen, was genau denn nun passiert ist. Vieles wird halt eben nur angedeutet, man merkt sich nicht jedes Gesicht und wenn eines dann fehlt, ist man als Zuschauer auf sich alleine gestellt. Dinge passieren, ohne dass man es mitbekommt und werden dann auch nicht erklärt. Das machte mir alles sehr unzugänglich, obwohl wir nur einen linearen Handlungsstrang vorfinden.

So gibt es auch keinen wirklichen Spannungsbogen, man plätschert bis zum Ende und steht auch dort wieder völlig allein da. Vielleicht soll das auch dem Einzelnen Interpretationsspielräume lassen. Die einzelnen Kämpfe fand ich ganz nett, brachial und brutal, so auch realistisch. Doch dann gerät wieder alles in Langsamkeit. Nicht jede Szene ist chronologisch auf die andere folgend bzw. gibt es Sprünge. Dass Einauge Zukunftsvisionen hat, hat sich mir gar nicht erschlossen (dies soll jedoch laut Wiki der Fall sein). Und zwischen den Szenen wird vieles auch nicht erklärt. Das wirkt dann lückenhaft.

Wer mal für 90 Minuten etwas fernab von Hollywood oder den üblichen Filmchen erleben will, sollte sich ruhig mal ‘Walhalla Rising’ geben. Es ist auf jeden Fall ein individuelles Filmerlebnis. Nichts für einen gemütlichen Filmabend. Am ehesten kommt Mel Gibsons ‘Apocalypto’ vielleicht heran, wenn man die Spannung herausnimmt und ein wenig mehr schneidet. Mir persönlich ist so ein Arthouse-Streifen einfach zu abgehoben, ich bin mir nicht sicher, ob ich auf so etwas noch einmal Lust hätte. Ich bereue es nicht unbedingt, ihn gesehen zu haben, doch am Ende stellt sich halt kein Gefühl wie “Jetzt habe ich eine tolle Geschichte miterlebt” ein.

Man kann sicherlich viel hineininterpretieren. Doch ob man das will, bleibt jedem selbst überlassen. Auf jeden Fall ist ‘Walhalla Rising’ nicht dumm, zugleich aber auch nur eine schwer-verdauliche Kost. Ich bleibe neutral, denn der Film ist nichts für so Zwischendurch.

Der Trailer ist ein wenig irreführend, da er mehr Action und Spannung verspricht, als der Film zu bieten hat.

Regie: Nicolas Winding Refn (Bronson, Pusher I – III)

Schauspieler: Mads Mikkelsen, Gary Lewis, Maarten Stevenson

Bewertung: 

Jun 082011
 

Captain Colter Stevens (Jake Gyllenhal) wacht ohne Erinnerung in einem Zug auf. Er ist verwirrt und weiß nicht wie er dort hingelangt ist. Zudem sieht er im Spiegel nicht sein gewohntes Erscheinungsbild, sondern das eines ihm völlig fremden Mannes. Nach acht Minuten explodiert der Zug und alle Insassen sterben. Doch Colter erwacht in einer kleinen dunklen Kammer und erfährt nach und nach warum er dort ist und wie es sein kann, dass sich ihm dieses achtminüte Zeitfenster des öfteren öffnet.

Es ist ein semi-futuristisches Szenario. Wir bewegen uns in der Gegenwart und die USA verfügen über ein wenig mehr Know-How, als man es für möglich halten sollte. Es geht um den Source Code im nachhinein und Colters Einbindung in ihn. Dabei handelt es sich jedoch nicht um ein Zeitreise-Abenteuer wie vielleicht ‘Und täglich grüßt das Murmeltier’. Beziehungsweise wird das einem weißgemacht.  Sicher bin ich mir auch nicht mehr ganz, in den 90 Minuten des Films wird viel erklärt und vieles dann auch wieder ein wenig verworfen.

Mir fällt es schwer, alles über diesen Thriller zu sortieren. Denn vor allem zum Ende hin schraubt sich die Handlung in vermeintliche Komplexität. Es ist nich schwer, dem ganzen zu folgen oder es zu verstehen. Doch viele Erklärungen sind nicht elegant. Wenn der Source Code kurz erklärt wird und auf welchen physikalischen Methoden er beruht, dann geht ein wenig die Nachvollziehbarkeit verloren. Ein ‘Inception’ war da in gewisser Hinsicht stimmiger (auch wenn dort vielleicht nicht für jeden alles befridiegend gelöst wurde).

Spannend fand ich ‘Source Code’ allemal. Diese Du-hast-8-Minuten-Zeit-im-Zug-Passagen sind spanned, man rätselt mit, wer der Bombenleger sein könnte. Die Stellen in der Kammer lockern auf und geben die nötigen Background-Infos, um dann im Zug das Puzzle ein wenig besser lösen zu können. Rein stilistisch finde ich das gut gelöst. So kommt eigentlich kein Leerlauf auf.

Rein von der Action und den Schauspielern gefiel mir der Film auch ganz gut. Ich bin zwar kein großer Fan von Jake Gyllenhal, aber er ist mir hier grundsätzlich sympathisch und ich stehe auf seiner Seite. Einzig dieses bisschen amerikanischen Patriotismus, dass zum Ende mal hier und da zum Vorschein tritt, fand ich nicht nötig.

Mein Problem ist, dass ich ‘Moon’ von Duncan Jones sah und infolgedessen überhöhte Erwartungen in ‘Source Code’ gesetzt habe. ‘Moon’ ist nicht unähnlich. Dort hat man auch einen einzelnen, der verwirrt ist und sich in einem unwirklichen Szenario wiederfindet. Sam Rockwell trägt den Film komplett allein und auch auf so überzeugende Art und Weise. Dieses Potential bietet ‘Source Code’ einfach nicht, weil hier die Handlung mit ihren Twists und Tücken in den Vordergrund tritt.

So wird Colter Stevens mehr oder weniger eher zum Opfer seiner Lage, während Sam Bell (Sam Rockwell in ‘Moon’) die Dinge in seine Hand nimmt. Zum Ende hin passiert viel auf einmal, vieles was eigentlich nicht möglich gewesen wäre, jedoch lapidar erklärt wird. Damit wird die Auflösung nicht unbedingt so 100% befridiegend, wie sie vielleicht hätte sein können. Wer also einen cleveren Thriller erwartet, sollte wissen, dass das Gewicht eher beim ‘Thriller’ liegt. Das ist nicht schlimm, man wird gut unterhalten. Ich glaube, Duncan Jones (übrigens der Sohn von David Bowie) kann man sich vormerken. Zumindest scheint er ein Regisseur zu sein, der von plumpen Storys Abstand nimmt.

Es gibt natürlich bessere Filme als ‘Source Code’, die in eine ähnliche Kerbe schneiden. ‘Inception’ und ‘Matrix’ sind natürlich ein bisschen unrealistischer, spielen jedoch auch mit dem Bewusstsein des Menschen. Noch immer der mit Abstand beste und einfach nur unterhaltsamste Zeitreise-Film für mich ist ‘Und täglich grüßt das Murmeltier’. Kein anderer Film nutzt die Zeit auf so konsequente und einfache Art und Weise. Natürlich sollte man auch an ’12 Monkeys’ denken, der super ist (und auch besser als Source Code).

Regie: Duncan Jones (Moon)

Schauspieler: Jake Gyllenhal, Michelle Monaghan, Vera Farmiga

Bewertung: