2001: Odyssee im Weltraum (1968)

Einen Film von Stanley Kubrick zu kritisieren ist im Grunde Gotteslästerung. Vor allem fühlt man sich dann dumm, weil man scheinbar den Film nicht verstanden hat. Da muss man aufpassen, nicht in der falschen Gesellschaft plötzlich zum stupiden Hollywood-Liebhaber abgestempelt zu werden. Aber wo Licht ist, ist auch Schatten und weil die Leserzahlen hier im einstelligen Bereich liegen, bin ich in nicht allzugroßer Gefahr, von einem Kubrick-Jünger in die Luft gesprengt zu werden. Hier der Frevel am großen Meister: 2001 ist ein langweilliger Film! Jetzt hab ich es gesagt und ich nehms so schnell auch nicht zurück. Lang lebe die freie Meinungsäußerung!

Die meisten Filme da draußen umspannen einen relativ engen Zeitrahmen. Ein paar Stunden oder Tage, manchmal vielleicht auch Monate oder ein paar Järchen. 2001: Odyssee im Weltraum behandelt mehrere Millionen Jahre Menschheitsgeschichte. Bäm!

Kleine Bemerkung: Ich werde den Film ein wenig spoilern. Dabei geht nicht sonderlich viel Spannung verloren, da es einfach mal nicht sehr spannend zugeht. Wer jedoch unbedingt einen ungetrübten Blick auf diese fast zweineinhalbstündige Fahrt durch die Menschheitsgeschichte haben will, sollte an dieser Stelle aufhören zu lesen und sich zuerst einen eigenen Eindruck verschaffen. Oder auch nicht, ist ganz euch überlassen. Aber es soll dann nicht heißen, ich hätte nicht jeden gewarnt.

2001 ist in fünf Teile gegliedert. Den ersten bekommt man im Fernsehen nicht vollständig zu sehen. Hier ertönt drei Minuten lang zu schwarzem Bild ein Orchesterwerk, dass mich erst an der Funktionsfähigkeit meiner DVD zweifeln ließ. Danach sind übrigens auch die TV-Leute endlich mit dabei. So folgt, nach dem Einblenden des MGM-Logos, ein Blick auf Erde, Mond und Sonne in Konjunktion und es ertönt ‚Also sprach Zarathustra‚. So weit, so ungewohnt.

Wir erleben den Beginn der Menschheit. Eine Gruppe von affenartigen Wesen kämpft um ihr Leben. Gebeutelt von Feinden, Hunger und Kälte. Die Affen erwachen eines Morgens neben einem schwarzen Monolithen und tanzen um ihn herum.  Das bewirkt eine Veränderung. Ein Affe kommt auf die bahnbrechende Idee, einen Knochen als Waffe einzusetzen. Es folgt wenig später ein Kampf gegen eine rivalisierende Gruppe, den der Bewaffnete gewinnt und so den Siegeszug des Menschen einleitet. Er schleudert den Knochen gen Himmel und wir sehen den berühmtesten Schnitt der Filmgeschichte, in der der fliegende Knochen zu einem Raumschiff im Weltall wird.

Wir haben also einen Sprung von mehreren Millionen Jahren gemacht und befinden uns in der (damaligen) Zukunft, im Jahr 1999. Die  Menschheit hat begonnen, den Weltraum zu erobern. Dr. Heywood Floyd (William Sylvester) ist auf dem Weg über eine Raumstation zum Mond, wo ein seltsamer schwarzer Monolith gefunden wurde. Bei der Begutachtung des Objekts fassen die Wissenschaftler das Ding an, woraufhin ein elektromagnetisches Signal Richtung Jupiter gesendet wird.

Nächster Sprung. Wir befinden uns im Jahr 2001 und das amerikanische Raumschiff Discovery One ist unterwegs zum Jupiter. Die Astronauten Dave Bowman (Keir Dullea) und Frank Poole (Gary Lockwood) sind zusammen mit drei weiteren Kollegen, die sich im Kryoschlaf befinden, auf Forschungsmission. Sie wissen also gar nicht, was der eigentliche Zweck ihrer Reise ist. Ganz im Gegensatz zum sechsten Besatzungsmitglied, dem Supercomputer HAL 9000, der die wichtigsten Funktionen des Raumschiffs steuert. Ganz so perfekt erweist sich die Künstliche Intelligenz dann jedoch nicht, denn durch einen Fehler beginnt HAL mit der systematischen Ermordung aller Besatzungsmitglieder. Mit Müh und Not gelingt es Bowman, HAL schrittweise zu deaktivieren. Dabei ist die Todesszene des Computers ebenso berühmt wie auch genial. Nach HALs Abschaltung wird ein Video abgespielt, das den einzig verbliebenen Astronauten über Sinn und Zweck der Mission aufklärt.

Das letzte Kapitel kann man auch als den medialen LSD-Trip interpretieren. Oder auch als den krassesten Brainfuck der Filmgeschichte. Bowman erreicht den Jupiter, in dessen Umlaufbahn ein weiterer Monolith schwebt. Als er sich diesem in einer Kapsel nähert, beginnt eine minutenlange psychedelische Achterbahnfahrt voll mit bunten Farben. Plötzlich erwacht Bowman in seiner Kapsel in einem futuristischen Zimmer. Dann erblickt er sich selbst, nur um einige Jahre gealtert. Es wechselt die Perspektive zum Alten und die Raumkapsel ist verschwunden. Bowman schaut sich in einem Spiegel an und erblickt eine weitere Person ein Zimmer weiter. Dort sieht er sicht selbst, noch älter. Die Perspektive springt wieder zum älteren Bowman, der an einem Tisch sitzend eine Mahlzeit zu sich nimmt. Als dieser jetzt aufsteht, sieht er das nächste Ich, liegend in einem Bett und noch viel älter, sogar dem Tod nahe. Der nächste Sprung und wir sehen wie der sterbende Bowman vor sich den Monolithen erblickt. Er streckt die Arme, um ihn anzufassen und im letzten Schnitt erscheint anstatt seiner ein Fötus auf dem Bett. Es folgt die letzte Sequenz, in der zu ‚Also sprach Zarathustra‘ Erde und Mond aus dem Weltraum zu sehen sind, über ihnen das Space-Baby.

Alles klar? Einfach mal ein wenig durchatmen und sacken lassen. Immer noch nicht alles klar? Dann ein paar Worte der Erleuchtung. Oder so ähnlich.

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